Sommerbriefmarken 2005, nostalgische Niederlande mit friesischem Akzent
Die Aufräumarbeiten in meinem Archiv haben mir geholfen, wenig bekannte oder gar völlig unbekannte Hintergrundinformationen zur Philatelie zu entdecken. Notizen und Zeitungsausschnitte (Leeuwarder Courant & Midfrieslander [2. & 5. April 2005]) lieferten mir viele detaillierte, interessante und gut lesbare Informationen zu einer Buchillustration, die auf einer Sommerbriefmarke von 2005 (NVPH 2238/39) erschien. Im Hinblick auf die Romantisierung der friesischen Vergangenheit entspricht diese Sommerbriefmarke dem Buch „De schippers van de Kameleon“, das ich in einem Artikel vom 1. September 2024 erwähnte. Diese romantische Sichtweise war damals in allen Provinzen auf dem Land verbreitet, wenngleich die Autoren, die sich damit befassten, weniger stark davon beeinflusst waren.
Sommerbriefmarke 2005 „Nichts vergessen“

„Eine Skizze des friesischen Arbeiterlebens von N. van Hichtum“, so die Erstausgabe der zahlreichen Nachdrucke des Buches „Afkes Tiental“.
Ursprung von Afkes Zehn
Die Schriftstellerin Nynke, die mit ihrem Mann Pieter Jelles Troelstra in Leeuwarden lebte, hatte ein Dienstmädchen namens Hiltsje Feenstra aus Warga. Sie war die älteste Tochter einer armen zehnköpfigen Familie, die in einem kleinen Haus wohnte. Das Mädchen sprach regelmäßig und überzeugend mit großer Liebe von ihrem Elternhaus und besonders von ihrer Mutter Harmke, die sie sehr bewunderte. Die weise Mutter opferte sich unentwegt für ihre Kinder auf. Nynke war tief beeindruckt von dieser großzügigen Frau.Kinderbuch Afkes Zehn
Jahre später, als die Autorin nicht mehr in Friesland lebte, beschrieb sie Mutter, ihre Familie und deren Lebensumstände eindringlich und berührend. Dabei nutzte sie Hiltsjes Erzählungen als Vorlage und verlieh ihnen mit ihrer eigenen Herzlichkeit Ausdruck. Auf Empfehlung von Experten wandte sich Nienke van Hichtum an den Verlag Wolters in Groningen. Das Buch erschien schließlich 1903 mit Illustrationen (schwarz-weiß und sepia) von Cornelis Jetses. Ab 1906 übernahm der Verlag Kluitman in Alkmaar die Verlagsrechte. Das Buch wurde von Jung und Alt gleichermaßen begeistert gelesen und erlebte 40 Neuauflagen. Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf auf dem friesischen Land zu Beginn des letzten Jahrhunderts, wo die Kinder in Armut (und Kälte) aufwachsen. Afke plagt die tägliche Sorge: „Werde ich die Kinder jemals wieder ernähren können?“ Afke setzt alles daran, ihren Kindern so viel Liebe und Glück wie möglich zu schenken.Cornelis Jetses
Der Illustrator reiste 2001 nach Reduzum, nachdem er vom Verlag Wolters-Noordhoff in Groningen den Auftrag erhalten hatte, Illustrationen für das Kinderbuch „Afkes Tiental“ von Nienke van Hichtum (Pseudonym für Sjoukje Bokma de Boer, die erste Ehefrau des sozialistischen Politikers Pieter Jelles Troelstra) anzufertigen. Obwohl die Autorin ihre Geschichten auf dem Leben von Harmke Feenstra-Tuinstra aus dem nahegelegenen Dorf Wergea (Warga) basierte, hielt Jetses es für ratsam, das Dorf aufgrund der dort herrschenden sozialen Strukturen nicht zu besuchen. Durch Pfarrer Boers aus Reduzum (wo er einige Tage verweilte) wurde er auf die Familie Van der Woude aufmerksam gemacht, die die Geschichte passenderweise unterstützte. Der in Groningen geborene Künstler und Illustrator Cornelis Jetses lebte in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bremen. Die beiden abgebildeten Kinder sind seine Tochter Sien und ihr Nachbarsjunge Fidi Dammann. Jetses fertigte mehrere Skizzen von Kindern an, die in und um sein Haus in Deutschland spielten.
Quelle: Ytzen, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons
Die Statue von Afkes zehn Kindern steht im Dorf Wargea/Warga, wo Harmke mit ihrem Mann Sjoerd Veenstra und ihren zehn Kindern in einem kleinen Haus lebte. Sie wurde 1957 von Suze Boschma-Berfkhout geschaffen, zeitgleich mit der Veröffentlichung des Kinderbuchs auf Friesisch. Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Lesemethode „Ot en Sien“ (siehe letztes Unterkapitel) wurden sechs Zeichnungen aus dem Buch für die Sommerbriefmarken 2005 auf zwei Briefmarkenbögen ausgewählt. Das Cover des Buches für die vierte Klasse zeigt die farbige Zeichnung der Mutter aus Reduzum, die der Zeichnung auf der Sommerbriefmarke entspricht.
Nostalgisches Friesland
Saakje van der Woude (in der Rolle der Mutter Harmke Veenstra aus Warga) sitzt in ihrem Sonntagsstaat in einem bequemen Sessel und prüft die Strickarbeit ihres Kindes. Die Mutter (beppe), die einen goldenen Ohrring, eine Floddermûtse-Haube, eine Brille und eine goldene Spange mit Blutkoralle um den Hals trägt, fragt: „Hat sie eine Masche fallen lassen?“ Rechts von ihr trinkt ihr Sohn Tee aus einer Tasse. Im Hintergrund ist neben einem großen Wäscheschrank ein Teil einer friesischen Standuhr zu sehen.
Ot und Sien
Der Junge und das Mädchen waren, wie man heute sagt, einst Berühmtheiten. Die beiden Nachbarskinder erlangten besondere Bekanntheit als Hauptfiguren der Lesemethode. 'Ot en Sien' geschrieben von Scheepstra en Jan LigthartJetses erhielt den Auftrag, eine Reihe von Lesebüchern für die sechs Klassen der ehemaligen Grundschule zu illustrieren (veröffentlicht 1904). Dazu gehört auch die Zeichnung aus dem Buch „Afkes tiental“.


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