Winterhilfe in Belgien während der Kriegsjahre 1940-1944

Belgien Wappen Niederlande
Ähnlich wie in den Niederlanden orientierte sich die Winterhulp-Kampagne in Belgien während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg am deutschen Vorbild. Am 28. Mai 1940 kapitulierte die belgische Armee, und die Besetzung durch deutsche Truppen begann. Wie in den Niederlanden waren Lotterien auch in Belgien beliebt. Bereits am 20. Dezember 1940 wurden die Statuten der „Winterhulp-Lotterie“ im Amtsblatt veröffentlicht. Die ehemalige „Koloniallotterie“ wurde zum Hauptsponsor der Winterhulp-Lotterie. Die Postverwaltung wurde angewiesen, die Winterhilfe durch Zuschlagsmarken finanziell zu unterstützen. Dies geschah erstmals am 23. Dezember 1940 mit einer Serie von neun Marken, die jeweils einen Zuschlag trugen. Die neun Marken zeigten die Wappen der neun Hauptstädte der belgischen Provinzen. Gedruckt wurden sie sowohl in der Druckerei der Postkontrollverwaltung (BCH) als auch in der Druckerei der Briefmarkenwerkstatt in Mechelen (AWZ). Die Marken wurden mehrfarbig in Bogen zu je 50 Stück hergestellt. Im Mai 1941 wurde die Serie der neun Zuschlagsmarken neu aufgelegt. Es gab jedoch zwei wesentliche Unterschiede: Die Marken wurden zweifarbig gedruckt und nur noch in Neunerblöcken herausgegeben. Infolgedessen wurden viele Briefmarken aus den Blöcken herausgerissen oder ausgeschnitten. Teils für die Frankierung, teils aber auch, um in Sammleralben zu verschwinden. Diese Blöcke wurden teils in der Druckerei der Postprüfungsverwaltung (BCH), teils in der Druckerei der Allgemeinen Briefmarkenwerkstatt in Mechelen (AWZ) gedruckt. Die Auflage des perforierten Blocks betrug 202.000 Exemplare, die des unperforierten Blocks 182.000 Exemplare. Beide Blöcke konnten vom 30. März bis zum 30. April 1941 im Abonnement bestellt werden. Sowohl die Briefmarken der Serie von 1940 als auch die Briefmarken der Blöcke von 1941 verloren am 1. Oktober 1941 ihre Frankierfähigkeit. Man musste nicht lange auf neue Winterhilfsmarken warten, denn bereits am 13. November 1941 erschien eine neue Serie von Aufdruckmarken. Die Serie umfasste neun Werte im Standardformat und eine Marke mit dem höchsten Wert im Großformat. Die Motive stammten von alten Martinsstatuen in Kirchen in Onhaye-Lez-Dinant, Lennik, Berg (Limburg), Dave-sur-Meuse, Halle und Sint-Truiden. Am 12. März 1942 wurde die 5-Fr- + 20-Fr-Marke mit dem Bild des Heiligen Martin aus der Kirche von Sint-Truiden neu aufgelegt, nun als Block und in geänderter Farbe. Auch dieser Block war wieder sowohl gezähnt als auch ungezähnt erhältlich. Die Auflage beider Druckblöcke betrug 154.613 Exemplare. Selbstverständlich wurden auch einzelne Briefmarken aus diesen Blöcken herausgeschnitten oder abgetrennt. Die Briefmarken der Blöcke verloren ihre Gültigkeit für den Postversand ab dem 1. Oktober 1942. Am 12. November 1942 erschien die fünfte Briefmarkenserie für Winterhulp. Wie schon 1941 umfasste sie zehn Werte in verschiedenen Größen. Die Abbildungen des Heiligen Martin stammten nun von Figuren aus Privatsammlungen. Diese Figuren waren in Tienen, Houtain-le-Val und im Gruuthuze-Museum in Brügge (die wertvollste Marke) ausgestellt. Entworfen wurden die Briefmarken von Jean Van Noten. Die großformatige Briefmarke 5 Fr + 10 Fr vom November 1942 wurde am 3. April 1943 in geänderten Farben und mit einem geänderten Wert (10 Fr + 20 Fr) neu aufgelegt. Die Marken wurden in Bögen zu 25 Stück gedruckt und konnten nur im Abonnement zwischen dem 12. und 28. Februar 1943 bestellt werden. Ihre Gültigkeit für den Postversand erlosch am 1. Oktober 1943. Am 15. November 1943 erschien die siebte Ausgabe der Winterhilfe-Briefmarken. Die Serie umfasste acht Werte in verschiedenen Größen. Auch diese Serie wurde von Jean Van Noten entworfen. Die Motive stammten von Statuen des Heiligen Martin in Kirchen, deren Schutzpatron er war. Es handelte sich um Kirchen in Zoutleeuw, Dion-le-Val, Aalst, Lüttich, Kortrijk, Angre, Loppem und die Liebfrauenkirche in Halle. Van Noten fügte dem Entwurf seinen Namen hinzu. Die achte und letzte Ausgabe der Briefmarken der Winterhilfe erschien am 6. März 1944. Die Designerin G. Dumont schuf zwei Zeichnungen des Heiligen Martin, wobei die eine Briefmarke eine flämische, die andere eine wallonische Landschaft im Hintergrund zeigte. Die Briefmarken wurden in Bögen zu 25 Stück gedruckt und konnten nur im Abonnement zwischen dem 21. Februar und dem 6. März 1944 bestellt werden. Sie verloren ihre Gültigkeit zum 1. Oktober 1944. Warum tauchte der Heilige Martin erneut auf den Bildern auf? Er war das Symbol der Winterhilfe als Beispiel für Nächstenliebe. Der Heilige Martin war ein römischer Soldat, der einst einem nackten Bettler begegnete, der ihn um Almosen bat. Da er nichts außer seiner Waffe bei sich hatte, gab er dem Bettler ein Stück seines Soldatenmantels. Er konnte dies ungestraft tun, da damals die Hälfte der Kleidung dem Kaiser gehörte und die andere Hälfte persönliches Eigentum war. So wurde der Heilige Martin zum Schutzpatron der Armen, Bettler und Soldaten.
Gastbeitrag