Zweiter Weltkrieg
Der Zweite Weltkrieg war für viele ein Grauen und kostete unzählige Menschenleben. Dennoch interessieren sich Briefmarkensammler oft sehr für diesen Krieg und seine Ursprünge. Auch ich interessiere mich sehr für Geschichte, und aus philatelistischer Sicht ist diese Epoche leider zu einer Goldgrube für Sammler geworden, mit vielen bemerkenswerten Stücken.
So stieß ich auch auf diese Postkarte. Sie wurde am 19. Mai 1939 verschickt, gut drei Monate vor dem deutschen Überfall auf Polen. Absender war Friedrich Karl Völker, Inhaber eines Elektrogroßhandels im Kleinen Pulverteich im Zentrum Hamburgs. Der Straßenname existiert noch, allerdings stehen dort heute nur noch Nachkriegsbauten. Hausnummer 25 gibt es nicht mehr. An der Stelle 23 befindet sich heute ein dreistöckiges Gebäude. Herr Völker hatte die Karte am 23. Mai 1939 verschickt, um einen Termin zu vereinbaren. Der Empfänger erhielt die Karte am 20. Mai 1939 und stempelte sie als eingehende Post ab. Herr Völker hoffte, eine Bestellung des Empfängers notieren zu können.
Was mich besonders beeindruckte, war der Text im Abdruck des Maschinenstempels der Hamburger Post. Hatten sie damals schon eine Ahnung, dass etwas schiefgehen könnte? Der Slogan lautet sinngemäß: „Übung zur Luftverteidigung!“ Daneben prangt das berüchtigte Hakenkreuz. Die Firma von Herrn Völker am Kleinen Pulverteich existiert nicht mehr, das Denkmal auf der Vorderseite der Karte aber schon.
Abgebildet ist die riesige Statue des Reichskanzlers Otto von Bismarck im Alten Elbpark an der Seewartenstraße in Hamburg. Sie wurde kurz nach Bismarcks Tod 1898 von den Architekten Johan Emil Schaudt und Hugo Lederer in Form einer kolossalen Rolandfigur entworfen. Der Entwurf war im Jugendstil gehalten. Die Intention war jedoch eine andere: die Verherrlichung des damaligen Kaiserreichs, nicht Bismarcks. Trotz zahlreicher Proteste der Hamburger Bevölkerung wurde der Bau fortgesetzt. Die Arbeiten am Sockel begannen 1902, die Statue wurde 1906 fertiggestellt. Sockel und Statue wiegen zusammen 625 Tonnen. Die Gesamthöhe beträgt knapp 34 Meter. Allein die Statue misst knapp 19 Meter. Das Schwert ist 8 Meter lang. Zufälligerweise bezieht sich der Text auf der Briefmarke auf diese Statue. Beim Bau des Sockels entstand ein weitläufiges System aus Gängen und Kammern, die heute als Katakomben bekannt sind. Der Grund für ihren Bau ist bis heute ungeklärt. In den Jahren 1939 und 1940 wurden sie jedoch zu Luftschutzbunkern umgebaut. Während des Krieges fielen mehrere schwere Bomben in der Nähe der Statue und verschoben den Sockel. Dadurch konnte Wasser in das Tunnelsystem eindringen. Aus Sicherheitsgründen sind die Katakomben heute nicht mehr zugänglich. Die Statue selbst kann man noch immer im Park besichtigen. Wahrlich kolossal!

Cees,
Es erscheint mir überhaupt nicht seltsam, dass man, wenn man sich entgegen völkerrechtlichen Verträgen bewaffnet, auch Gegenangriffe in Betracht zieht. Luftverteidigung war Teil der Vorstellung des Hitler-Regimes von Unbesiegbarkeit, an der bereits jahrelang im Geheimen gearbeitet wurde. Übrigens, eine großartige Geschichte und ein weiteres bemerkenswertes Werk!