Zugbriefe und Eisenbahnbriefmarken

Niederlande Eisenbahn Briefmarken
Nachdem die letzte Busabholung der PTT stattgefunden hatte, konnte jeder, der schnell einen Brief aufgeben wollte, diesen am Gepäckschalter eines Bahnhofs abgeben. Ab dem 15. Mai 1927 war es auch möglich, Briefe in Zügen mitzunehmen. Zu diesem Zweck hatte die PTT eine Vereinbarung mit den Niederländischen Eisenbahnen getroffen. Neben dem Standardporto mit Briefmarke war auch eine Gebühr für die von der NS erbrachte Dienstleistung zu entrichten. Diese Gebühr wurde mit einer Gepäck- oder Bahnmarke der Niederländischen Eisenbahnen entrichtet. Diese Marke musste auf die Rückseite des Umschlags geklebt werden. Sowohl die Briefmarken als auch die Bahnmarke mussten mit dem Blockstempel des NS-Bahnhofs entwertet werden. Der abgebildete Brief ist auf den 1. April 1941 datiert und wurde am Fahrkartenschalter des NS-Bahnhofs in Bilthoven abgegeben. Er wurde per Zug nach Den Haag transportiert und dort von Bahnmitarbeitern an die PTT übergeben. Die PTT bestellte den Brief, dem Vermerk auf dem Brief nach zu urteilen (da kein Poststempel vorhanden ist), am 3. April 1941. Der Name des Adressaten ist auffällig: HA ridder van Rappard. Ein sehr bekannter Name in der niederländischen Politik. Dieser HA ist jedoch nicht derjenige, der unter anderem Mitglied des Repräsentantenhauses war, denn er lebte vom 7. März 1824 bis zum 4. Oktober 1877. Oder war es vielleicht sein Sohn? Dessen Name war AGÆ ridder van Rappard, und auch er war Mitglied des Repräsentantenhauses und des Senats. Er wurde am 30. August 1871 geboren und starb am 25. Mai 1946. Der Absender gibt keinerlei Hinweise. Oder weiß ein Leser, wer H. A. Knight van Rappard war und wer der Absender war? Die Straße Daendelsstraat in Den Haag existiert noch. Dort befindet sich heute jedoch nur noch ein Parkplatz mit neuen Gebäuden, der durch einen Fußweg entlang des Tunnelabschnitts der Utrechtsebaan erweitert wurde. 1943 wurde die vorübergehende Einstellung der Möglichkeit, Zugbriefe über einen NS-Bahnhof aufzugeben, bekannt gegeben. Am 13. Januar 1943 erschien folgende Mitteilung: „Die NV Nederlandsche Spoorwegen hat es unter den gegebenen Umständen für notwendig erachtet, die Abgabe von Gegenständen an den Gepäckschaltern ihrer Bahnhöfe und der von ihr betriebenen Straßenbahnhaltestellen mit Wirkung zum 15. Januar einzustellen.“ Und die Briefmarke auf dem Brief? Diese 7-Cent-Marke wurde am 1. Oktober 1940 herausgegeben. Der Hintergrund der Marke ist die 3-Cent-Marke „Fliegende Taube“ von 1926, die damals in Gelbgrün gehalten war. Der Designer Jan van Krimpen entwarf das Wertzeichen und verzierte es mit geschwungenen Linien. Es handelt sich daher nicht um einen Aufdruck auf eine bereits existierende Marke. Die Marke erhielt den symbolischen Namen „Sperrmarke“. Die Niederlande hinter Gittern…

10 Kommentare

  1. Cees, es gibt noch einen weiteren Knight Van Rappard (es mag sogar noch mehr geben oder gegeben haben), nämlich: Louis Rudolph Jules (Rolly) Knight van Rappard, unter anderem Bürgermeister von Gorinchem von 1939 bis 1971.
    Mit freundlichen Grüßen, Jan.

  2. Es handelt sich daher nicht um einen Aufdruck auf einer bereits bestehenden Briefmarke.

    Aber selbst wenn der 3c-Hintergrund grün gewesen wäre, wäre es trotzdem kein Druck gewesen…

  3. Lieber Cees
    Ich dachte, es gäbe auch andere Bahnmarken im Umlauf, zum Beispiel 25-, 45- und 50-Cent-Marken mit dem NS-Logo und der Front einer Diesellok. Später gab es dann noch eine etwas größere 15-Cent-Marke mit dem Aufdruck „NS“ und der Front einer Lokomotive. Oder werden diese später besprochen?

  4. Lieber Cees, ich glaube, es gab noch mehr Briefmarken mit Zugmotiven, sehr kleine (von 25, 45 und 50 Cent) und eine etwas größere von 15 Cent, alle mit der Front einer Diesellok darauf.

  5. Hallo Henk, insgesamt gibt es über 200 verschiedene Eisenbahnmarken der Niederländischen Eisenbahnen, Varianten und Typen nicht mitgerechnet. Hinzu kommen noch Eisenbahnmarken beispielsweise der Ooster Stoomtram Mij (35 verschiedene) und der Nederlandsche Buurtspoorweg Mij (21 Stück). Einen Überblick bietet die Broschüre „Spoor en Post in Nederland“, die 1979 vom Eisenbahnmuseum in Utrecht herausgegeben wurde.

  6. Die NVPH, die behauptet, die Bahnmarken seien nicht im Katalog enthalten, da es sich nicht um Briefmarken handele, widerspricht sich selbst, indem sie die Tresormarken, die Internierungsmarken und die Postquittungsmarken aufführt, da auch diese keine echten Briefmarken sind. Tresormarken waren Versicherungsmarken. Die Internierungsmarken schränkten die Möglichkeit von Internierten ein, Briefe ins Ausland zu senden. Die Postquittungsmarke diente der Bezahlung. Daher sollten auch diese Marken aus dem NVPH-Katalog ausgeschlossen werden. Es wäre zwar sinnvoll, die Bahnmarken aufzunehmen, aber das ist wohl eher eine Illusion.

  7. Lieber Cees,

    Ich besitze einen an dieselbe Person adressierten Briefumschlag, der 1930 von Berlin nach Valeriusstraat 148 in Amsterdam geschickt wurde. Bei Interesse kann ich Ihnen einen Scan zukommen lassen.

  8. Gern geschehen, Hans! Meine E-Mail-Adresse finden Sie auf der Website der Niederländischen Akademie für Philatelie. Vielen Dank im Voraus!

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