Zehn Prozent Rabatt!
Welcher Postdienst würde schon eine solche Geste gegenüber Briefmarkenempfängern machen? Und doch geschah dies kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. 1946 trafen unsere südlichen Nachbarn eine politische Entscheidung, die Portokosten für Postkarten und Briefe zu senken. Was war der Grund dafür?
Auf Vorschlag der belgischen Regierung unter Premierminister Achille Van Acker sollte durch Preissenkungen eine übermäßige Inflation und Lohnsteigerungen vermieden werden. Daher wurden die Portogebühren für Briefe und Postkarten im Mai 1946 um zehn Prozent gesenkt. Diese Gebührensenkung wurde in einem Schreiben der belgischen Postverwaltung bekannt gegeben und auch in einer Dienstanweisung veröffentlicht. Dienstanweisung Nr. 20 vom 16. Mai 1946 lautete wie folgt:
Rundschreiben der Postverwaltung zu -10%-Briefmarken. Dienstanweisung Nr. 20. 16.05.1946
Aufgrund eines Regierungsbeschlusses werden die seit September 1945 geltenden Posttarife ab Montag, dem 20. Mai, um 10 % reduziert. Den Postämtern ist eine Liste der Änderungen der Dienstanweisung Nr. 10 vom 6. September 1945 beigefügt. Um die Umsetzung dieses Beschlusses zu erleichtern und bis zur Anpassung des Briefmarkendienstes in Mechelen an die neuen Tarife durch das Briefmarkenamt, ist jede Poststelle, die die unten aufgeführten Briefmarken vorrätig hat, anzuweisen, auf alle Briefmarken im Wert von 1,50, 2 Franken und 5 Franken sowie auf alle Einzelpostkarten im Wert von 0,75 und 2 Franken und Doppelpostkarten im Wert von 1,50 und 4 Franken einen Aufdruck „-10 %“ anzubringen. Der Aufdruck „-10 %“ muss mit fetthaltiger Tinte mittels eines (vorzugsweise) Stahl- oder Gummistempels aufgebracht werden, der dringend bei privaten Händlern bestellt und innerhalb von 24 Stunden geliefert werden muss. Der Stempelabdruck durfte folgende Maximalmaße nicht überschreiten: 15 mm x 10 mm. Das Aufbringen der Aufdrucke musste spätestens am Montagmorgen, bei Öffnung der Schalter, abgeschlossen sein. Am Freitag, dem 17. Mai 1946, begaben sich zahlreiche Direktoren und Leiter von Postämtern zu einem örtlichen Stempelhersteller, um die benötigten Stempel aus Metall, Kunststoff oder Gummi anfertigen zu lassen. Denn nach dem Wochenende sollten alle Briefmarken und Postkarten der genannten Werte nur noch mit dem Vermerk -10 % verkauft werden. Folglich konnte keine Abstimmung bezüglich des Stempeldesigns erfolgen, und so entstanden zahlreiche Varianten dieser Briefmarke. Der Leiter des Postamts Tubize ließ die Briefmarke wortgetreu nach dem vorgegebenen Text anfertigen.

Die Briefmarkendruckerei in Mechelen wurde beauftragt, bereits vorhandene Bogen der genannten Werte mit einem Aufdruck zu versehen. Dieser Aufdruck wurde maschinell (im Buchdruckverfahren) auf die 1,50-, 2-Franken- und 5-Franken-Briefmarken des Leopold-III.-Typs mit offenem Kragen und dem Monogramm „V“ und der Krone aufgebracht. Die Briefmarken mit diesem Aufdruck erschienen jedoch erst am 4. Juni 1946 und wurden landesweit verwendet.

Nur die Stempelabdrücke zeigen, wo der jeweilige Stempel mit Standardaufdruck verwendet wurde. Beispiele hierfür sind die Abdrücke des Datumsstempels aus Lier und der Fahnenmarke der Stempelmaschine aus Turnhout.


Später wurden, oft auf Wunsch von Sammlern und Händlern, auch andere Werte mit einem Aufdruck versehen. Der Grund: zusätzliches Porto für Postkarten!
Drucke aus dem Postamt Gellingen (Ghislenghien).
Gellingen, ein Dorf im Hennegau nahe Ath südwestlich von Brüssel, war das einzige Postamt in Belgien, das Briefmarken mit Aufdruck herstellte, auf denen der Portowert nach Abzug von 10 % ausgewiesen war. Die Werte waren 1,35 (statt 1,50), 1,80 (statt 2 F) und 4,50 (statt 5 F). Die Aufdrucke waren ab dem 27. Mai 1946 am Postschalter erhältlich.






Was für ein reizvolles Rätsel muss es gewesen sein, all diese Aufdrucke und die dazugehörigen Postämter aufzuspüren! Ist diese Arbeit schon vollständig abgeschlossen? Es erinnert mich an die Portoaufdrucke auf den Hradschany-Briefmarken der Tschechoslowakei; auch dort hatte jede Region, vielleicht sogar jedes Postamt, seinen eigenen Aufdruck. Allerdings war das eine Zeit des größten Chaos (noch chaotischer als im Nachkriegsbelgien), sodass ich glaube, dass die Forschung noch lange nicht beendet ist.
Bitte nennen Sie einen oder mehrere Kataloge, in denen alle belgischen Drucke übersichtlich aufgeführt sind!
'@Cees
Wenn ich das richtig verstanden habe, musste jedes Büro [1500 ??] einen persönlichen Aufdruck anbringen? Ein herrliches Chaos, um das sich eigentlich kein Philatelist kümmern sollte. Und die Ergänzungen, die auf Anraten des örtlichen Briefmarkenhändlers vorgenommen wurden, waren doch gut eingearbeitet, nicht wahr?
In diesem Fall sammle ich doch lieber personalisierte Briefmarken: Sie sehen in der Regel viel schöner aus, und auch hier könnte man endlos weitermachen…
Rein, nehmen wir das Postamt Boom als Beispiel. Dessen Stempel wurde auch von den Postämtern in Niel, Rumst, Sauvegarde (Ruisbroek), Terhagen, Tisselt und Willebroek verwendet. Der Stempel von Antwerpen 1 wurde sogar von 82 weiteren Postämtern genutzt. Insgesamt wurden die Stempelformulare also von etwa 350 Postämtern verwendet. Ein Katalog aus dieser Gegend existiert zwar, ist aber veraltet. Es handelt sich um den „Catalogue Illustré“ von Prinet aus dem Jahr 1948. Ob es einen Nachdruck mit Ergänzungen gibt, ist mir nicht bekannt.
Und heutzutage macht man die Dinge in Belgien anders.
http://www.telegraaf.nl/dft/nieuws_dft/4714154/__Postzegel_Belgie_duurder_bij_kleine_aankoop__.html?p=12,2
In der Bibliothek unseres Vereins befindet sich ein weiterer, zweisprachiger Katalog dieser Drucke, nämlich:
Nationaler Katalog
spezialisiert „- 10%“
Der Kompilator ist Gaston M. Blumental.
Alle Niederlassungen mit Firmenlogo sind hierin, soweit bekannt, aufgeführt.
Leider findet sich in dieser Broschüre nirgends eine Jahresangabe.
@Jan
Die Einführung von Zehnerblöcken, die den obligatorischen Kauf aller Marken („en bloc“) erfordern, wie sie 1993 in unserem Land eingeführt wurde, wurde in Belgien versucht, aber vom Bundesparlament abgelehnt. Zehnerbögen dürfen geöffnet werden, es sei denn, ein Bogen enthält mehrere Portowerte!
Kluger Schachzug der Post! Absolut verdient!