Zuckerbusch

Südafrika
In der Grundschule (so hieß sie Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre noch) lernten wir – seltsamerweise, wie ich fand – Lieder in der südafrikanischen Sprache. Das am häufigsten gesungene Lied war „Suikerbossie“. Wir sangen einfach mit, ohne es zu verstehen. Sugar Bush-a.jpgsugarbush-b.jpg Denn Zuckerbusch, ich will dich, Zuckerbusch, ich will dich, Zuckerbusch, ich will dich. Was auch immer deine Mutter dazu sagt, dann könnten wir unter dem Mond spazieren gehen, wir könnten unter dem Mond spazieren gehen, wir könnten unter dem Mond spazieren gehen, ich und mein Zuckerbusch zusammen. Jahre später fand ich heraus, dass ein Zuckerbusch eine einzige Pflanze war. Und immer noch die Nationalblume Südafrikas. Übersetzt in das Lied, passte es nicht so recht! sugarbush-c.JPG125-c-1964-083.jpg Die Zuckerprotea (Protea cynaroides) ist auch als Riesenprotea, Königsprotea oder Honigtopf bekannt. Ihre Blüten werden von Nektarvögeln, kleinen, kolibriähnlichen Vögeln, bestäubt. Die Pflanze ist in weiten Teilen des südwestlichen und südlichen Südafrikas verbreitet und gilt als Symbol der Fynbos-Vegetation in der Kapprovinz. Sie hält sich als Schnittblume sehr lange und eignet sich auch zum Trocknen. Da sie die Nationalblume Südafrikas ist, nehme ich an, dass auch Briefmarken mit ihrem Motiv herausgegeben wurden. Also ein kurzer Blick in meine Alben. Die 12-Cent-Marke wurde zwischen 1961 und 1965 herausgegeben, kurz nachdem Südafrika eine Republik geworden war. Zwischen 1969 und 1971 wurde die Marke neu aufgelegt, einmal mit einem anderen Wert und einmal in leicht veränderter Farbe und auf anderem Papier. Die dunklen Farben wurden mit der Zeit etwas eintönig. Doch am 27. Mai 1977 wurden wir mit einer umfangreichen Serie von Suikerbossies überrascht! Nicht weniger als 14 verschiedene Varianten wurden auf einer langjährigen Briefmarkenserie abgebildet. 9-c-1969-084.jpg 125-c-1971-085.jpg 1-c-1977-086.jpg 2-c-1977-087.jpg 3-c-1977-088.jpg 4-c-1977-089.jpg 5-c-1977-090.jpg 6-c-1977-092.jpg 7-c-1977-093.jpg 8-c-1977-094.jpg 9-c-1977-095.jpg 10-c-1977-096.jpg 15-c-1977-097.jpg 20-c-1977-098.jpg 25-c-1977-099.jpg 30-c-1977-100.jpg Aber welche war die echte Suikerbossie? Genau, die Briefmarke mit einem Nennwert von 5 Cent. 5-c-1977-091.jpg Der lateinische Name deutet es an. Aber der Suikerbossie aus dem Lied? Ich weiß immer noch nicht, wer oder was das war oder war. Weißt du es?

8 Kommentare

  1. Schöne Seite, Toon!

    Die Protea cynaroides ist in dieser Briefmarkenserie auch mit bloßem Auge erkennbar, da sich der Name cynaroides von Cynara, der Artischocke, ableitet. Die 5-Cent-Briefmarke ähnelt am ehesten einer Artischocke. Sowohl die Protea als auch die Cynara gehören zur Familie der Korbblütler (Asteraceae/Compositae).

    Diese Klassifizierung basiert, wie schon bei Linnaeus, auf äußeren Merkmalen.
    Mit den neuen DNA-Techniken könnte diese Reihe am Ende ganz anders aussehen, wenn sich herausstellt, dass diese Pflanzen, basierend auf molekularen Merkmalen, überhaupt nicht miteinander verwandt sind.

    Allerdings beziehen sich DNA-Techniken und neue Klassifizierungen in erster Linie auf die Wissenschaft; ich gehe vorerst davon aus, dass die alte Klassifizierung weiterhin in vielen Büchern und auch für die Herausgabe von Briefmarken verwendet wird.

    Mehr dazu: Briefmarkenforum

    Ich glaube, mit „suikerbossie“ im Lied ist eine Geliebte gemeint. Wenn der Liedtexter Artischocken sehr mochte, könnte es sich auch um dieselbe Protea handeln. Es mag seltsam klingen, seine Geliebte mit einer Artischocke zu vergleichen, aber angesichts des Namens „Honigtopf“ vermute ich, dass diese Blume sehr süß schmeckt.

  2. Und wie sieht es mit den anderen Afrikaans-Liedern wie Sarie Marais aus? Gibt es da auch philatelistische Bezüge?

  3. @Rein, dann solltest du es einfach googeln. Ich glaube, Sarie-Marais-Fans sammeln auch Briefmarken.

  4. @Dolores

    Ich habe das gemacht, aber ohne Erfolg. Das heißt, mit einem Stempel etwa 7 irrelevante Stellen, mit einem Stempel viel mehr, aber dann geht es ja darum, auf den Boden zu stempeln. 🙂

  5. Nun, ich bin zwar kein Briefmarkensammler, aber da ich 1950 geboren wurde, sang auch ich Sarie Marijs und andere südafrikanische Lieder; allerdings wurde uns das damals erklärt. Man darf natürlich nicht vergessen, dass die Geschichte Südafrikas auch eng mit der der Niederlande verknüpft ist; der Burenkrieg war nichts anderes als ein Kampf zwischen niederländischen Auswanderern und den Engländern, die Südafrika zu einer Kolonie machen wollten. Die Buren, zumeist niederländischer Herkunft, hatten bereits ein unabhängiges Land. Ganze Wohngebiete tragen Namen aus dieser Zeit; in Den Haag zum Beispiel De la Reyweg, Vaalrivierstraat, Kaapstraat und Boerenstraat. De la Rey wohnte sogar im Hotel Des Indes, wo er mehrmals von großen Menschenmengen bejubelt wurde – damals eine große Seltenheit. Erst viele Jahrzehnte später änderte sich die Stimmung aufgrund der Apartheid, doch bis 1960 galten die südafrikanischen Buren hierzulande noch als Helden, die trotz ihres heldenhaften Kampfes den schmutzigen Krieg gegen die Engländer verloren hatten. Das Ausmaß dieses grausamen Krieges wird deutlich daran, dass die Engländer die Konzentrationslager in Südafrika einrichteten, in denen Frauen und Kinder der Buren unter entsetzlichen Bedingungen gefangen gehalten wurden.

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