Briefmarkenfehler, Teil 6 – Der falsche Asklepiosstab

Zwei Briefmarken, die 1969 von der Republik Tschad herausgegeben wurden, erinnerten an die Reisen zweier deutscher Entdecker des afrikanischen Kontinents.
Die rechte Briefmarke zeigt ein Porträt des deutschen Polarforschers Heinrich Barth (1821–1865) aus dem 19. Jahrhundert neben dem Tschadsee. Barth war einer der ersten Europäer, der die Bedeutung und den Reichtum der afrikanischen Geschichte und Kultur erkannte. Unter dem arabischen Namen Abd el Kerim durchquerte er die Sahara und überquerte das Ary-Gebirge nach Zentralafrika.
Der Stempelfehler befindet sich jedoch auf der linken Marke, die Gustav Nachtigal (1834–85) zeigt. Nachtigal, Sohn eines lutherischen Pfarrers aus Eichstedt in Sachsen-Anhalt, absolvierte eine Ausbildung zum Arzt und praktizierte mehrere Jahre als Militärarzt in Köln. Nachdem er an einer schweren Lungenerkrankung erkrankt war, zog er im Oktober 1862 nach Bona (dem heutigen Annaba) in Algerien, in der Hoffnung, sich im warmen, trockenen Klima zu erholen. Im folgenden Jahr ließ er sich in Tunis nieder, wo er mehrere Jahre lebte, als Arzt praktizierte und Arabisch lernte. Er wollte gerade nach Deutschland zurückkehren, als ihn der deutsche Forscher Gerhard Rohlfs bat, im Auftrag König Wilhelms I. von Preußen eine Mission in das Königreich Bornu im Norden des heutigen Nigeria zu unternehmen. Wilhelm wollte dem Sultan von Bornu für die Freundlichkeit danken, die dieser Heinrich Barth während einer früheren Expedition erwiesen hatte.

Nachtigal nahm den Auftrag an und brach im Februar 1869 mit sechs Männern und acht Kamelen zur Durchquerung der Sahara auf. Der erste Teil der Reise führte von Tripolis (heutiges Libyen) durch den Fezzan im Südwesten Libyens und die Region Tibesti (Teile des heutigen Libyen, Tschad und Niger) nach Bornu, wo er dem Sultan Geschenke des preußischen Königs überreichte. Anschließend reiste er von Bornu in das Sultanat Baguirmi (heutiger Tschad) und nach Timbuktu (heutiges Mali). Die Expedition führte weiter von Wadai (heute im Osten des Tschad) durch Darfur (heutiger Sudan) bis zum Nil bei Khartum. Insgesamt legte Nachtigal fast 10,000 Kilometer zurück und bereiste Gebiete Afrikas, die zuvor noch nie ein Europäer betreten hatte. Er gilt als einer der bedeutendsten europäischen Entdecker des afrikanischen Kontinents.
Zurück zum Briefmarkenfehler! Anlässlich des Besuchs des damaligen deutschen Bundespräsidenten Dr. Heinrich Lübke im Tschad gab die Republik 1969 eine Luftpostmarke zu Ehren der Verdienste von Gustav Nachtigal heraus.
Auf der Briefmarke „Nachtigal“ ist ein Stab abgebildet, der von zwei Schlangen umwunden ist. Dieser sollte den Stab des Asklepios darstellen, eines griechisch-römischen Gottes, der mit Heilkunst und Medizin in Verbindung gebracht wurde. Der Gestalter der Briefmarke fügte jedoch versehentlich eine zweite Schlange am Stab hinzu.

Der Stab mit den zwei Schlangen, bekannt als Caduceus, ist aufgrund seiner langen Verbindung mit dem griechischen Gott Hermes, der Schutzpatron des Handels und der Kaufleute sowie von Dieben, Lügnern und Spielern war, als medizinisches Symbol besonders ungeeignet.
