Briefmarkenfehler Teil 13 – Die falsche Pumpe
Am 13. Januar 1983 gab die Deutsche Bundespost eine Serie von vier Werten für Berlin unter dem Titel „Historische Berliner Straßenpumpen“ heraus. Erst nach der Ausgabe der Briefmarken bemerkte die Berliner Wasserwerke, dass etwas mit einer dieser Marken nicht stimmte, nämlich mit dem Wert von 60 Pfg.
Eine große Berliner MorgenzeitungDer tagesspiegelDer Daily Mirror berichtete über den Fehler wie folgt: „Nicht alles, was wie eine Pumpe aussieht, ist auch eine. Die Bundespost hat einen Fehler gemacht, auf den die Wasserwerke hingewiesen haben: Die 60-Pfg.-Briefmarke der Serie ‚Historische Straßenpumpen‘ zeigt keine Pumpe – anders als die drei anderen Werte der Serie. ‚Diese Tatsache hat die Bundespost völlig überrascht‘, sagte ihr damaliger Sprecher Gerhard Stürmer.“
Die Post, die zuständigen Abteilungen im Senat, wo die Recherchen durchgeführt wurden, und vermutlich auch die meisten „normalen Verbraucher“ hielten den Straßenbrunnen für eine Pumpe mit Hebel. Nur die Wasserwerke, die zuvor nicht konsultiert worden waren, klärten nun den „postalischen Irrtum über das Wassernetz“ auf. Sie erklärten den Unterschied: Durch Betätigen des Hebels konnte der Benutzer Wasser unter dem Druck des Leitungsnetzes der öffentlichen Wasserversorgung entnehmen. Pumpen war nicht nötig. Diese Zapfstellen versorgten hauptsächlich die Bevölkerung in städtischen Gebieten, die noch nicht an das Trinkwassernetz angeschlossen waren, mit hygienisch überwachtem Trinkwasser. Sie befanden sich mitunter auch an Pferdetränken. Laut den Wasserwerken ist die Bezeichnung „oberirdischer Hydrant“ auf der Briefmarke völlig unzutreffend. Hydranten seien ausschließlich für die Wasserversorgung der Feuerwehr bestimmt. Technisch gesehen verfügen sie über einen Schlauchanschluss. Der Hydrant des Engländers Thomas Simpson, der sehr früh in Berlin verwendet wurde, war ein sogenannter Schachthydrant mit einem besonders langen Steigrohr. Im Jahr 1790 nutzte Simpson die Dampfkraft für Pumpen zur städtischen Wasserversorgung und gründete die Londoner Firma Simpson and Thompson Co.
1986 gab die DDR eine Briefmarkenserie zur Erinnerung an die Wasserversorgung heraus. Die 10-Dollar-Marke trägt diesmal die korrekte Bezeichnung „Handbetriebene Kolbenpumpe“. Die 35-Dollar-Marke zeigt den markanten Altglienicke-Wasserturm, das Wahrzeichen des Berliner Bezirks Altglienicke, der 1905/06 erbaut wurde. Die 50-Dollar-Marke zeigt das Friedrichshagener Wasserwerk in Berlin – das bei seiner Fertigstellung 1888 als größtes und modernstes seiner Art in Europa galt – und die 70-Dollar-Marke zeigt den Rappbode-Staudamm im Harz.



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