6 Punkte von globaler Bedeutung
Es ist vielleicht eine der schönsten Erfindungen überhaupt: die Blindenschrift. Schon als kleines Kind war ich tief beeindruckt, als ich in der Schule Blindenschrift sah. Es faszinierte mich, dass blinde Menschen ganze Bücher lesen können, indem sie die Punkte ertasten. Und auch heute, so viele Jahre später, finde ich Blindenschrift immer noch etwas ganz Besonderes. Und wahrscheinlich geht es vielen anderen genauso.
Am 23. Oktober schrieb Lia bereits, dass die belgische Post im Rahmen ihres Ausgabeprogramms 2009 eine Sonderbriefmarke zu Ehren von Louis Braille, dem Erfinder der Blindenschrift, herausgibt. Sein Name und der Nennwert sind in Blindenschrift auf der Marke abgedruckt. Wäre Belgien damit das erste Land, das eine Briefmarke mit tatsächlicher Blindenschrift herausgibt? Offenbar nicht. Ich habe sogar noch mehr gefunden. Sogar eine Briefmarke aus dem Jahr 1974. Anlässlich der 5. Weltversammlung des Weltrats für das Wohl der Blinden. Eine brasilianische Briefmarke in geprägter Blindenschrift.
Um dem Zeitgeist etwas besser gerecht zu werden, gab Irland 2006 eine Briefmarke mit Braille-Schrift heraus. Anlass war das 30-jährige Jubiläum des Irischen Blindenführhundeverbands, eines Ausbildungszentrums für Blindenführhunde.
Im selben Jahr gab Neuseeland Briefmarken mit Blindenschrift heraus. Wunderschöne Briefmarken zur Feier des Jahres des Hundes.
Im Jahr 2007 wurde in Indien anlässlich des Internationalen Tages der Behinderten eine Briefmarke herausgegeben.
Und außerdem aus dem Jahr 2007 eine wunderschöne Briefmarke rumänischer Herkunft. Herausgegeben anlässlich des Internationalen Tages der Blindenbildung.
Kanada war Belgien voraus. Anfang dieses Jahres wurde dort eine Briefmarke zu Ehren des 100-jährigen Jubiläums der Montrealer Blindenvereinigung herausgegeben, einem gemeinnützigen Rehabilitationszentrum für blinde und sehbehinderte Menschen jeden Alters.
Die finnische Briefmarke von 2008 ist ungewöhnlich. Sie hat nichts mit Blindheit zu tun. Indirekt vielleicht doch. Eine wunderschöne Pflanze ziert die Marke: die Duftwicke (Lathyrus odoratus). Diese sommerblühende Pflanze, die in Süditalien und Sizilien heimisch ist, verströmt einen intensiven Duft. Es ist bekannt, dass blinde Menschen einen ausgeprägteren Geruchssinn haben als Sehende. Ob der Gestalter der Briefmarke dies jedoch im Sinn hatte, bezweifle ich.
Obwohl viele Länder vor Belgien Briefmarken herausgegeben haben, bin ich sehr gespannt, wie die belgischen Briefmarken aussehen werden. Nur noch ein wenig Geduld.
Louis Braille
Louis Braille wurde 1809 geboren. Durch einen Unfall und eine darauf folgende Infektion erblindete er im Alter von drei Jahren. Da Louis ein begabter Junge war, durfte er eine Regelschule besuchen. Dies war zu der Zeit höchst ungewöhnlich. Mit zehn Jahren wurde er an das Königliche Blindeninstitut in Paris gebracht. Der Unterricht dort erfolgte hauptsächlich mündlich. Es gab zwar einige Bücher mit Reliefschrift, diese waren jedoch sehr groß und dick. Im Alter von 13 Jahren hörte er zum ersten Mal von einer Nachtschrift, die von dem französischen Armeehauptmann Charles Barbier de la Serre entwickelt worden war. Dieser hatte die Schrift entwickelt, damit Soldaten im Dunkeln lesen und schreiben konnten. Sie war jedoch viel zu groß und die Grammatik fehlerhaft. Diese Nachtschrift brachte Louis auf die Idee, eine spezielle Schrift für Blinde zu entwickeln. Einige Jahre später wurde die Sechs-Punkt-Brailleschrift in Grundzügen zu Papier gebracht. Im Laufe der Jahre entwickelte und verbesserte er sein System stetig. Mit 19 Jahren begannen seine Mitschüler, die Schrift zu benutzen. Für Blinde brach eine neue Ära an. Louis arbeitete sein ganzes Leben lang an der Verbesserung der Handschrift.
Doch erst 1854, zwei Jahre nach seinem Tod im Alter von 43 Jahren, wurde die Blindenschrift vom Institut offiziell als vollwertige Lese- und Schreibsprache für Blinde anerkannt. Und 100 Jahre nach seinem Tod wurde das System formell als Erfindung von globaler Bedeutung anerkannt.
Erstes Bild: Immanuel Giel [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]
