Frage von O: Echt oder Fake?

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TasseWer belgische Briefmarken sammelt, stößt immer wieder auf sie: die Rotkreuz-Briefmarken von 1914. Die dreiteilige Serie zeigt die von dem Bildhauer Josué Dupont entworfene Statue von de Mérode. Experten wissen es genau: Es gibt viele Fälschungen dieser Briefmarken. 1Zunächst zur Serie. Sie umfasst drei Werte: 5 Centimes, 10 Centimes und 20 Centimes, jeweils mit dem gleichen Aufschlag wie die Nennwerte. Entwurf und Gravur stammen von John Mac Donald. Er war Vertreter der Firma Dujardin in Paris, einem Lieferanten von Kupferstichpressen. In dieser Funktion stand er in Kontakt mit der Briefmarkendruckerei in Mechelen. Er lieferte eine Kupferstichpresse mit Transfermaschine und installierte diese. Ende September 1914 konnten die Probedrucke angefertigt werden. Am 8. August 1914 brach jedoch der Erste Weltkrieg aus, und die Produktion wurde eingestellt. 3 Zwei Briefmarkenserien wurden von Mac Donald entworfen: eine mit dem Porträt von König Albert I. und die andere mit der „Statue de Mérode“. Die typografischen Klischees für die Serie mit dem König waren bereits fertig, während die für die Serie mit der Statue noch im Entwurfsstadium waren und nur als Zeichnungen existierten. Die Serien waren ursprünglich nicht als Rotkreuzmarken gedacht, doch aufgrund des Krieges und des deutschen Einmarsches in Belgien entschied man sich, sie dennoch für diesen Zweck zu verwenden. Die Entwürfe wurden angepasst, indem der heraldische Löwe durch ein rotes Kreuz ersetzt wurde. Die Produktion der Briefmarken konnte nicht fortgesetzt werden und wurde nach Antwerpen verlegt. Dort wurden die Marken im Lithografieverfahren von der Druckerei Jacques Verschueren, Imprimerie de la Bourse, gedruckt. Mit dem Fall Antwerpens nach der Bombardierung am 7. Oktober 1914 wurde die Produktion der Briefmarken jedoch endgültig eingestellt. 4 Zurück zur Serie „De-Mérode-Statue“. Die Statue steht in Berchem an der Ecke Grote Steenweg und Frederik-de-Mérodeplein und trägt offiziell den Namen „Belgium Free“. Umgangssprachlich ist sie jedoch auch als „Die drei Trunkenbolde“ bekannt. Die Statue wurde am 27. August 1905 von Kronprinz Albert anlässlich des 75. Jahrestages der belgischen Unabhängigkeit enthüllt. Sie zeigt den Moment, als Graf Frederik de Mérode von einer niederländischen Kugel in den rechten Oberschenkel getroffen wird. Zwei Kameraden namens Smith und Bourcet stützen ihn. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Statue auf der Briefmarke spiegelverkehrt abgebildet ist. Im Katalog sind mitunter Auflagen oder Verkaufszahlen vermerkt. Für die Briefmarken der „De-Mérode-Statue“ mit Ausgabedatum 3. Oktober 1914 sind folgende Zahlen bekannt: 5 Centimes: Auflage 150.000, verkaufte Exemplare ca. 24.000. 10 Centimes: Auflage 150.000 Stück, davon ca. 30.000 verkauft. 20 Centimes: Auflage 50.000 Stück, davon ca. 12.000 verkauft. 5 6 Und die Fälschungen? Für einen Laien sind sie recht einfach am Buchstaben Q in Belgique zu erkennen. Bei den meisten Fälschungen erscheint dieser Buchstabe als O. Der Stempel links ist also echt, der rechts gefälscht. 7 8 Ebenso zwei gefälschte 10-Centime-Briefmarken, beide unbenutzt und mit einem Antwerpener Stempel vom 7. Oktober 1914 entwertet. 9 Zwei echte Briefmarken, die am 6. Oktober 1914 in Antwerpen gleichzeitig, wahrscheinlich auf Wunsch eines Sammlers, entwertet wurden. 10 Man stößt jedoch auch häufig auf Abbildungen der Stadt Baarle-Hertog. Schließlich lag diese Enklave im neutralen Teil der Niederlande. Abbildungen dieses Ortes finden sich auch häufig auf den am 1. Januar 1915 herausgegebenen Briefmarken des Roten Kreuzes mit einem Bildnis von König Albert I., die im Lithografieverfahren bei Waterlow Bros & Layton Ltd in London gedruckt wurden. 11 Es mag seltsam anmuten, aber auch Abdrücke aus Le Havre, der französischen Stadt in der Normandie im Département Seine-Maritime, tauchen auf. Wie ist das möglich? Die belgische Regierung unter Premierminister Jacques de Broqueville hatte während der deutschen Besatzung von 1914 bis 1918 ihren Sitz in dieser Stadt, im Stadtteil Saint-Adresse. Dort waren erstmals die Rotkreuzmarken von 1915 erhältlich, ebenso wie ein Bestand an Rotkreuzmarken vom Oktober 1914. Auch ein anderer Markentyp mit der Aufschrift „Ste Adresse“ war im Umlauf, wie man auf der 5-Francs-Marke sehen kann. 12 Abschließend sei noch erwähnt, dass es sich um einige Fälschungen handelt, die ungezähnt auf grobem, grauem Papier gedruckt sind. Daher der Rat: Sollten Sie diese Briefmarken erwerben wollen, kaufen Sie sie bei einem vertrauenswürdigen Händler oder lassen Sie sie zuvor von einem anerkannten Experten für Fälschungen begutachten.

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