Aufgezogen von einem U-Boot

Deutsche Geschichte Geschichte
Während des Ersten Weltkriegs wurde die Postzustellung nach England zunehmend schwieriger. Die britische und die deutsche Marine legten Seeminen im Ärmelkanal, und deutsche U-Boote patrouillierten verstärkt. Die Zeeland Steamship Company (SMZ) hielt jedoch weiterhin eine Verbindung nach England aufrecht. Manchmal wurden Schiffe der SMZ von deutschen Torpedobooten gestoppt und durchsucht. Dies geschah auch mit Schiffen neutraler Länder wie den Niederlanden. Unter anderem ereignete sich dies am 23. September 1916 mit dem Raddampfer „Prins Hendrik“. Das Schiff wurde ins von den Deutschen besetzte Zeebrugge gebracht und gründlich durchsucht. Anschließend durfte es wieder auslaufen. Am 10. November 1916 wurde der 1895 gebaute Raddampfer „Koningin Regentes“ von einem deutschen U-Boot, der UB 19, gestoppt und ebenfalls nach Zeebrugge gebracht. Die Besatzung musste von Bord gehen und wurde nach Hause geschickt. Erst am 15. Dezember 1916 durfte die Besatzung das Schiff zurückfordern. Bei der Ankunft in Vlissingen stellte sich heraus, dass die gesamte Post beschlagnahmt, vom Schiff entfernt und nach Deutschland transportiert worden war. Unter dieser Post befand sich auch ein Brief der Haarlemer Dampffarbenfabrik vom 7. November 1916 an eine Adresse in London. Dieser Brief wurde in Berlin zensiert. Nach dem Lesen des Briefes wurde der Umschlag mit einem bedruckten Streifen verschlossen. Der Brief wurde jedoch nicht nach London weitergeleitet, sondern blieb in Berlin. Dieser Brief wurde erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs freigegeben und am 3. Februar 1919 nach Haarlem zurückgeschickt. Er erreichte sein Ziel nicht, überstand aber den Krieg. Dieses Schicksal war jedoch nicht dem Raddampfer „Koningin Regentes“ vorbehalten. Am 6. Juni 1918 wurde das Schiff in der Nähe der Genfer Bank in der Nordsee vom deutschen U-Boot UB 107 torpediert. Sieben der 56 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Angriff ums Leben. Ein Umschlag, der ein Stück Geschichte bewahrt, das niemals in Vergessenheit geraten darf. Ein stummer Zeuge von vor 100 Jahren.

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