Rote-Kreuz-Aufdruckmarken 1915

Curaçao Messen Niederlande
Beim Stöbern in den Postbehältern auf Messen und Briefmarkenausstellungen stößt man oft auf hübsche Umschläge oder Postkarten. Die Erfahrung nach meiner Rückkehr von der Briefbörse in Gouda Ende März 2015 war allerdings unerfreulich: Ein Unbekannter hatte die rechte Vorderseite meines Autos schwer beschädigt, was mir eine Reparaturrechnung von 550 Euro einbrachte. Von dem Geld hätte ich mir so einiges Schönes kaufen können. Zusammen mit einigen anderen Postsendungen aus den Niederlanden und ehemaligen Kolonien konnte ich den oben abgebildeten Umschlag erwerben, obwohl er offensichtlich eine Fälschung war. Er enthielt eine vollständige Serie von Rotkreuz-Briefmarken. Die dreiteilige Serie wurde am 10. Juni 1915 zusammen mit einer existierenden Postkarte herausgegeben, die ebenfalls einen Aufdruck aufwies. Die Herausgabe der Serie und der Postkarte wurde in einer Mitteilung des Gouverneurs von Niederländisch-Ostindien vom 1. April 1915 bekanntgegeben. Darin hieß es: „Durch Regierungsbeschluss wurde die Genehmigung erteilt, 100.000 einzelne Postkarten, 200.000 1-Cent-Briefmarken, 200.000 10-Cent-Briefmarken und 600.000 10-Cent-Briefmarken in Rot, in der vom Direktor der Staatsbetriebe festgelegten Weise und in Anwesenheit der von ihm benannten Beamten, mit dem Kennzeichen des Vereins ‚Het Roode Kruis‘ und der Bezeichnung ‚5 cts‘ zu drucken.“ Die Verteilung des Aufschlags auf den Briefmarken und der Postkarte erfolgte wie folgt: – Die Hälfte an das Zentralkomitee des Vereins ‚Het Roode Kruis‘ in Niederländisch-Ostindien; – Ein Viertel an das in Batavia eingerichtete Zentralkomitee zur Linderung der Not in den Niederlanden. – Ein Viertel ging an die Niederländisch-Ostindien-Kommission, die zur Unterstützung von Curaçao eingerichtet werden sollte. Ferner wurde festgelegt, dass die Serie von drei Briefmarken ausschließlich für Inlandspost verwendet werden durfte; die Postkarte hingegen auch für Auslandspost. Der Aufdruck des Roten Kreuzes wurde auf die 1913 herausgegebene 5-Cent-Postkarte aufgebracht. Die abgebildete Karte wurde im Inland verwendet. Sie trug den Vermerk, dass sie für die Sammlung aufzubewahren sei. … Ich weiß nicht, wie viele Postkarten verkauft wurden. Bereits im August 1915 kamen Fragen auf, was genau mit „Inlandspostverkehr“ gemeint war. Gehörten die Niederlande selbst auch zum „Inland“? Dies erwies sich als falsch; der Inlandpostverkehr umfasste tatsächlich nur das Gebiet der damaligen Niederländisch-Ostindien. Deshalb habe ich den Umschlag gekauft, da er an eine Adresse in Paris adressiert war. Der Brief wurde also mit Briefmarken frankiert, die für ausländische Ziele ungültig waren. Er wurde am 21. Juni 1916 abgeschickt, weit über ein Jahr nach dem Ausgabedatum. Möglicherweise waren die Bestimmungen dem Beamten, der die Briefmarken anbrachte, inzwischen entfallen. Es wurde sogar eine Vorschrift eingeführt, die am 11. Mai 1915 in einer internen Mitteilung veröffentlicht wurde: „Wenn Postsendungen, die für das Ausland bestimmt sind, mit diesen Rotkreuz-Briefmarken frankiert sind, dürfen diese Briefmarken nicht entwertet werden. Sie werden dann mit einem blauen Stift umrandet und durch Anbringen der Zahl Null (0) neben den Briefmarken als ungültig gekennzeichnet. Die Wechselstuben stellen sicher, dass der Buchstabe T auf die betreffenden Sendungen gedruckt wird.“ Die Druckvorlagen wurden nachlässig zusammengestellt, und so finden sich zahlreiche Beschädigungen und Abweichungen, wie die beiden oben abgebildeten 1-Cent-Briefmarken zeigen. Dies gilt selbstverständlich auch für die 5-Cent-Aufdruckmarke. Darüber hinaus ist bekannt, dass der Abstand zwischen dem Pluszeichen und der Zahl 5 normalerweise 2 mm beträgt, bei manchen Aufdruckformen jedoch nur 1 mm. Beim Aufdruck der 10-Cent-Marke beträgt der Abstand zwischen dem Pluszeichen und der Ziffer 5 stets 1 mm. Und wurden viele Marken verkauft? Ich denke, die Einnahmen waren ziemlich enttäuschend: 5 Cent auf 1 Cent, Auflage 200.000, verkaufte Stück 80.005, Aufschlagseinnahmen 4.000,25 ƒ; 5 Cent auf 5 Cent, Auflage 200.000, verkaufte Stück 74.646, Aufschlagseinnahmen 3.732,30 ƒ; 5 Cent auf 10 Cent, Auflage 600.000, verkaufte Stück 78.170, Aufschlagseinnahmen 3.908,50 ƒ. Insbesondere der Verkauf der 10-Cent-Marke war eine große Enttäuschung. Mehr als 500.000 Marken dieses Wertes mussten vernichtet werden. Eine Fehlkalkulation bei der Auflage? Dass so wenige Briefmarken und Postkarten des Roten Kreuzes verkauft wurden, ging aus einem Zeitungsbericht im „Bataviaasch Nieuwsblad“ vom 19. August 1915 hervor: „Der Verkauf der sogenannten Rotkreuz-Briefmarken blieb bisher weit hinter den Erwartungen zurück. Da mit dem Verkauf ein so edles Ziel verfolgt wird, möchten wir unsere Leser nochmals ausdrücklich auf diese Postkarten und Briefmarken aufmerksam machen. Sie sind in den Postämtern erhältlich.“ Es half wenig.

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2 Kommentare

  1. Cees,

    Es mag sich als kostspieliger Brief erwiesen haben, aber trösten Sie sich mit dem Gedanken, wie vielen Lesern Sie mit diesem Artikel Freude bereitet haben!

  2. Und hoffentlich erkennt der Verursacher den angerichteten Schaden. Das Schreiben von Artikeln zu allen möglichen Themen geht wie gewohnt weiter, ebenso wie die Besuche von philatelistischen Veranstaltungen, Ausstellungen und Messen. Mit dieser Freude vergisst man den unangenehmen Vorfall schnell.

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