Nicht bestellen oder sonntags bestellen?

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Das waren noch Zeiten! In den Großstädten kam der Postbote bis zu sieben Mal täglich, um die Post zuzustellen. Selbst sonntags war die Postzustellung damals völlig normal. Doch immer mehr Menschen störten sich daran, dass ihre Sonntagsruhe durch einen Postboten gestört wurde. Deshalb begannen die Absender, mit Kugelschreiber auf Briefe zu schreiben, die sonntags nicht zugestellt werden sollten: „Sonntags nicht zustellen“.Da diese handschriftlichen Markierungen kaum lesbar waren, beschloss die PTT, auffällige rote Etiketten drucken zu lassen, die Absender erwerben konnten. Ab dem 15. Januar 1912 waren die Etiketten in Bögen zu 50 Stück für 1 Cent pro Bogen erhältlich. Ab dem 1. August 1916 waren die Bögen sogar kostenlos. Die Praxis mit den Etiketten erwies sich jedoch als unbefriedigend, weshalb beschlossen wurde, das Verfahren umzukehren. Fortan durften sonntags nur noch Briefe, Postkarten und Todesanzeigen mit einem blauen Etikett und dem Aufdruck „Bestellung am Sonntag“ bestellt werden. Diese Etiketten waren ab dem 10. Juli 1919 (offiziell: 20. Juli) in Zehnerbögen zum Preis von einem Cent pro Bogen erhältlich. Die Verwendung roter Etiketten war nach dem 20. Juli 1919 nicht mehr gestattet. In den meisten kleineren und mittelgroßen Städten wurde der Sonntagsdienst eingestellt. Nur in wenigen Großstädten wurden sonntags noch Bestellungen angenommen. Daher wurden neue Etiketten mit dem Aufdruck „Sonntagsbestellung“ hergestellt. Der Randvermerk lautete: „Falls sonntags eine Bestellung vor Ort vorliegt.“ Diese Etiketten waren ab dem 16. Dezember 1925 zum Preis von 1 Cent pro Bogen mit 10 Etiketten erhältlich. 1935 gab es nur noch wenige Städte mit Sonntagszustellung: Amsterdam, Den Haag, Scheveningen, Groningen, Rotterdam und Utrecht. Daher wurde ein neues Etikett mit den sechs Städten erstellt. Die Etiketten wurden in Bögen zu 50 Stück gedruckt. Ab dem 6. November 1938 wurde die Sonntagszustellung in Groningen eingestellt. Mit Wirkung vom 21. April 1940 wurde der gesamte Sonntagsdienst in den Niederlanden, mit Ausnahme der Expresspost, abgeschafft. Bis einschließlich 30. September 1940 konnten diejenigen, die noch Etiketten besaßen, diese gegen eine Gebühr von 1 Cent pro 10 Stück bei der Post abgeben.

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In Belgien war das System der Sonntagszustellung schon viel länger bekannt. Im Juni 1893 erschienen dort Briefmarken mit einem kleinen Streifen, auf dem stand: „Niet bestellen op Zondag; ne pas livrer le Dimanche“. Dieser Streifen konnte abgetrennt werden, wenn man die Postsendung doch sonntags zugestellt bekommen wollte. Auch die vorgedruckten Portowerte auf Postkarten hatten einen solchen Streifen. Dieser ließ sich natürlich nicht abtrennen, und wenn man die Postkarte sonntags zugestellt bekommen wollte, musste der Text mit einem Stift durchgestrichen werden. Die Briefmarken mit Streifen wurden 1914 abgeschafft.

Sonntags bestellen. Das waren noch Zeiten!

18 Kommentare

  1. Abschließend ein klarer und logisch strukturierter Überblick über dieses interessante und in sich abgeschlossene Sammelgebiet.
    Großartig, Cees!

  2. Ein Artikel, mit dem ich arbeiten kann.
    Es hat meinen Horizont erweitert. Danke dafür, Cees. Schön zu lesen, dass Scheveningen einst zu den größeren Städten zählte … Darauf können sie sicher stolz sein.
    Und Lars, es gibt Menschen, die aus religiöser Überzeugung und aus Respekt nicht möchten, dass andere sonntags für sie arbeiten. Ich denke, das war ein noch besserer Grund, sonntags keine Lieferungen zu erlauben, als die bloße Störung der Sabbatruhe. Post am Sonntag klingt für mich wunderbar. Ich müsste nicht bis Montag (und bald auch nicht bis Dienstag) warten. Und ihr helft Menschen, wieder einen Job zu finden…

  3. Das war mir in Belgien bekannt, aber dass wir in den Niederlanden auch sonntags zustellen, ist mir neu. Schöne Dokumente waren dabei!
    Interessanter Artikel!

  4. Roland,
    Ich verstehe, dass manche das aus religiöser Überzeugung wollen. Ich bin nur nicht damit einverstanden, dass sich die gesamten Niederlande dem reformierten Christentum anpassen müssen. Bis heute. Man schaue sich beispielsweise die politische Diskussion um das Sonntagsgeschäft an.

  5. Mir fehlen noch diese Poststempel für meine Kuriositätensammlung. Damals kostete ein Bogen mit zehn Stück einen Cent. Nun ja, ich wäre bereit, etwas mehr dafür zu bezahlen. Hat jemand zufällig Angebote für Bestellungen, auch sonntags?

  6. Was ist das denn für ein Sperrgebiet!
    Ich bekomme immer noch sonntags Post!
    Bei schlechtem Wetter am Samstag hole ich die Post am Sonntag ab.

  7. Henricus, du solltest den Postboten wirklich mal auf einen Kaffee einladen; wo findet man heutzutage noch jemanden, der sonntags für einen Chef arbeitet (außer in den sogenannten durchgehenden Schichten)?

  8. Die Zustellung von Postsendungen verstößt gegen die Regeln von PostNL und ist möglicherweise auch bei Sandd nicht gestattet.
    PostNL: Die Post muss spätestens um 18:00 Uhr (bis 2011 bis 17:00 Uhr) am Tag der Übergabe an die Zusteller zugestellt werden. Geben Sie Ihre Postsendungen also einfach täglich zusammen mit allen Hauszustellungen ab. Bei jedem Wetter.

  9. Ups, das ist ein sehr seltsamer Tippfehler: Redakteur/Moderator: Können Sie die erste Zeile korrigieren?
    Die Zustellung von Post an Sonntagen ist gegen die Regeln (usw. usw.).
    Fügen Sie also „am Sonntag“ dazwischen ein. Danke.

  10. Netter Artikel. Ich meine, mich zu erinnern, dass die Post früher sogar zweimal täglich zugestellt hat. Jetzt streichen sie auch noch die Montage; Trauerbriefe werden doch sicher noch zugestellt? Und die Geburtstagskarte, bekommt man die am Samstag oder Dienstag, wenn man montags Geburtstag hat? Gerade kam Post von Sand oder Select, ein Steuerbescheid und Werbung, kurz darauf die Benachrichtigung von PostNL. Morgens bekomme ich mit der Werbung auch noch Post, keine Ahnung, von wem die ist, um 5 Uhr schlafe ich noch. Was für ein Chaos! Und dann sind da noch die Paketboten, sogenannte Freiberufler, die auch von PostNL angestellt sind. Von mir aus kann alles wieder an die PTT gehen, selbst wenn das ein Monopol und 5 oder 10 Cent mehr bedeutet. Dann bleibt mir wenigstens die Post mit Streuseln und Mayonnaise im dritten Stock bei Tante Mien erspart. Falls ich sie überhaupt bekomme; ich weiß nicht, wo ich mich bei all diesen Parteien beschweren soll.

  11. Für Trauerpost gilt ein gesonderter Tarif!
    Muss persönlich ausgewählt und übergeben werden! Stellen Sie sich vor, es würde einfach bei den Nachbarn liegen bleiben…

  12. Die Trauerpost kann einfach am Montag mit der Paketsendung aufgegeben werden. Die Paketdienste liefern montags wie gewohnt Pakete aus und decken damit das ganze Land ab.

  13. Was ich vor einiger Zeit bei den losen Waren gefunden habe, ist auch nicht gerade alltäglich.
    Eine belgische Briefmarke mit dem oben angeklebten Sonntagsstreifen. Offenbar wurde sie irgendwann einmal falsch vom Bogen abgerissen. (Oder jemand kaufte damals eine Briefmarke „bitte ohne Sonntagsstreifen“.)

  14. Ich meine also, dass es VOR dem Verkauf der Briefmarke mit dem kleinen Etikett oben falsch gemacht wurde.
    (Gab es damals vielleicht noch einen losen Streifen übrig? Oder eine Briefmarke mit zwei Streifen? Das werden wir wohl nie erfahren!)

  15. Neben „Keine Zustellung“ oder „Zustellung am Sonntag“ gab es auch die Option „Keine Zustellung am Neujahrstag“. Dies musste durch ein Andreaskreuz auf der Rückseite der Nachricht (Umschlag oder Karte) gekennzeichnet werden. Ich habe diese in der vorliegenden Übersicht nicht gefunden. Sie befinden sich in meinem Besitz.

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