Wie Briefmarken, die Jahre in einem Buch vergehen, Edelweiß
Als ich neulich aufräumte, fand ich eine. Sorgfältig in weiches, rosa Toilettenpapier eingewickelt, lag sie zwischen den Seiten eines meiner Lieblingskinderbücher, „Allein auf der Welt“. Und fast genau das war diese fantasievolle kleine Pflanze auch: allein auf der Welt. Heutzutage ist sie in freier Natur selten, aber vor etwa 25 Jahren offenbar nicht. Sicherlich lag diese wunderschöne kleine Blume mindestens so lange zwischen den Seiten 120 und 121. Ich war überrascht, eine echte! Edelweiß.
Es war unvermeidlich, dass ich mein Edelweiß in Österreich fand. Auf einer unserer Wanderungen in den Kärntner Bergen. 2005 gab Österreich eine Sonderbriefmarke mit einem Edelweiß heraus. Die Marke ist gestickt. Hergestellt wurde sie vom traditionsreichen Familienbetrieb Hämmerle & Vogel aus Lustenau. Zwischen dem ersten Arbeitsschritt und dem fertigen Produkt vergingen rund 30 Wochen. In dieser Zeit konzentrierten sich sechs Mitarbeiter ausschließlich auf die Herstellung der Briefmarken. Dabei verbrauchten sie 300 Kilogramm Garn. Österreich war übrigens nicht das erste Land der Welt, das eine gestickte Briefmarke herausgab. Diese Ehre gebührte der Schweiz. Die österreichische Stickerei war jedoch noch perfektionierter. Tatsächlich waren sogar die Perforationen gestickt.
Österreich 2005
Obwohl das Edelweiß das Symbol der Schweizer Alpen ist, fand ich zu meiner Überraschung keine einzige Schweizer Briefmarke mit diesem Motiv. Ich bin überzeugt, dass es sie gibt. Falls also jemand ein Foto oder einen Link hat, wäre ich sehr dankbar! Ich entdeckte allerdings eine Briefmarke mit vielen Edelweiß-Abbildungen, herausgegeben von Bosnien und Herzegowina. Das hatte ich so nicht erwartet. Zwar gibt es auch im Süden und Osten Berge, diese sind aber nicht so hoch wie in den Alpen. Die Pflanze findet man vermutlich auf dem Berg Maglić, dem mit 2386 Metern höchsten Berg Bosnien und Herzegowinas an der Grenze zu Montenegro. Schließlich bevorzugt das Edelweiß Geröll, Schutt und Kalkstein in Höhenlagen zwischen 1700 und 3400 Metern.
Bosnien und Herzegowina 2003
Zum Glück hat sich die Lage des Edelweißes in den letzten Jahren etwas verbessert. Früher war das ganz anders. Edelweiß wurde aufgrund seiner Heilwirkung in großem Umfang gesammelt. Die Pflanze gilt als Volksheilmittel gegen Magenschmerzen. Auch der Tourismus hat der schönen, sternförmigen Blume geschadet. Für Lesezeichen, Schlüsselanhänger und Stifte muss die Blume heute nicht mehr in den Bergen gepflückt werden. Gärtnereien bieten eine Lösung. Neben den Alpen findet man Edelweiß auch in den Hochgebirgen Asiens. Ich habe außerdem eine japanische Briefmarke von 1984 und eine kasachische von 2002 gefunden.
Japan 1984 Kasachstan 2002
Im Sommer schützt sich das Edelweiß dank feiner Härchen vor der Sonne. Der feine Flaum absorbiert fast alle schädlichen UV-Strahlen. Nur das nötige Licht dringt hindurch. Im Winter schützen dieselben Flaumhaare vor Kälte und Schnee. Und diese Härchen sind an meinem getrockneten Edelweiß nach all den Jahren noch völlig intakt. Leontopodium alpinum, eine ganz besondere kleine Pflanze.

Ist das gestickte Siegel beschädigt, wenn ein Stich locker ist? :-))
@Toon. Haha, der ist gut! Ich habe mich gefragt, ob diese Briefmarken tatsächlich benutzt wurden. Mir scheint, dass sich so eine gestickte Briefmarke leicht von einem Brief lösen würde.
Ich möchte außerdem kurz die spanische Briefmarke von 1978 erwähnen, auf der im Vordergrund das Edelweiß und im Hintergrund die Pyrenäen zu sehen sind.
Hier ist der Link (bitte etwas nach unten scrollen): http://es.geocities.com/crr_corporation/cat_espana/cat_espana_1978.htm
@Dolores
Beschränken Sie URLs nicht auf den restlichen Text:
http://es.geocities.com/crr_corporation/cat_espana/cat_espana_1978.htm
@Dolores
Für mich springt der spanische Katalog von 1978 zu 1982 [ohne etwas dazwischen]??
@Rein, nein, Ihre URL funktioniert bei mir einwandfrei. Vielen Dank!