Nachtzug mit Posttransport

Beitrag Eisenbahn Briefmarken
In einem Dienstauftrag der staatlichen Post- und Fernmeldegesellschaft (PTT) vom April 1905 wurde die Einführung eines Nachtpostzugs ab diesem Monat angekündigt. Bereits 1844 hatte die Post einen Vertrag mit der Hollandsche IJzeren Spoorwegmaatschappij (HIJSM) geschlossen, der den täglichen Transport eines Postpakets zwischen Den Haag und Amsterdam (Hin- und Rückfahrt) vorsah. Aufgrund des raschen Ausbaus des Eisenbahnnetzes nahm auch der Transport von Paketen mit Postsendungen zu. Zudem gewann die zügige Postbearbeitung aufgrund des Wirtschaftswachstums zunehmend an Bedeutung. Die Eisenbahnen beschlossen daher in Zusammenarbeit mit der Post, spezielle Waggons einzusetzen, die nicht nur den Transport der Post übernahmen, sondern diese auch sortierten und abstempelten. Zu diesem Zweck wurden Poststempel verwendet, die eine Bahnstrecke, wie beispielsweise die Strecke Amsterdam–Rotterdam, enthielten. Am 9. November 1870 wurden vier Datumsstempel eingeführt. Die Zeichen waren: 1, 2, 3 und 4 sowie A, B, C und D, „um den Zug anzuzeigen, in dem die Zugbegleiter am Hollandsche Spoorweg Dienst hatten“. Sie wurden auf Zügen verwendet, die im regulären Personenverkehr verkehrten. Aufgrund des gestiegenen Postaufkommens und um den Bedürfnissen von Absendern und Empfängern besser gerecht zu werden, wurde beschlossen, Nachtpostzüge einzusetzen. Der erste Nachtpostzug verkehrte ab dem 1. April 1905 auf der Strecke Amsterdam–Rotterdam. Die Post wurde in diesen Zügen sortiert und abgestempelt. Um den Einsatz der Nachtpostzüge zu kennzeichnen, wurden die Stempel in den Postämtern entlang der Bahnstrecke mit einem sogenannten Nachtstundenzeichen versehen. Dieses Zeichen bestand aus den Stundenangaben 12–2 mit dem Buchstaben V, der die Nacht von Mitternacht bis 2 Uhr symbolisierte. Die Postsendungen wurden mit diesem Zeichen abgestempelt, bevor sie dem diensthabenden Personal im Zug übergeben wurden. Bei der Rückkehr des Zuges wurde das Zeichen 2-6 V verwendet, das die Nacht von 2 bis 6 Uhr morgens symbolisierte. Diese Nachtzeichen wurden auf den großen runden Briefmarken der Postämter verwendet, die auf der Strecke Amsterdam–Rotterdam–Dordrecht (in beide Richtungen) Post von den Nachtzügen entgegennahmen oder abgaben. Ab 1905 wurden die großen runden Briefmarken nach und nach durch sogenannte Radmarken mit langem Balken ersetzt. Auch diese Briefmarken eigneten sich zur Darstellung von Nachtzeichen. Die Langstab-Radmarken besaßen kleine Räder, auf denen die Stundeneinteilung markiert war. So wurde der Nachtzug mit 12-1V gekennzeichnet. Ein schönes Beispiel für die Verwendung einer solchen Marke findet sich auf der Postkarte, die von Den Haag nach Velsen geschickt wurde. Diese Karte wurde maschinell gestempelt, allerdings fehlerhaft! Die Briefmarke war unberührt. Das Versanddatum war der 14. Juli 1911, und die Karte wurde mit den Stundenzeichen 9-10N, also zwischen 21:00 und 22:00 Uhr, gestempelt. Dies fiel auf, als die Karte im Postamt Den Haag sortiert wurde. Dort wurde die Briefmarke anschließend mit dem Handstempel Nr. 13 und dem Stundenzeichen 12-1V entwertet. Nach ihrer Ankunft erhielt die Karte den Abdruck des Velsener Langbalkenstempels Nr. 2 mit dem Datum 15. Juli 1911 und dem Stundenzeichen 6-7V. Die Karte wurde dann der ersten Postzustellung mit Zusteller Nr. 3 beigelegt, wie der Abdruck des Zustellstempels A 3 belegt. Im Jahr 1911 beschäftigte das Postamt Velsen fünf oder sechs Briefträger, die fünfmal täglich Post auslieferten! Das war wahrlich ein Service. Und ob die Karte wichtig war? Ich weiß es nicht, denn sie trägt keine eindeutige Botschaft. Oder war sie für den Adressaten bestimmt? In jedem Fall ist es eine wunderschöne Postkarte mit einem Bild des Schlosses Noordeinde in Den Haag. Ohne Zaun und mit der Statue Wilhelms von Oranien an ihrem ursprünglichen Platz. Das Bild muss daher vor 1883 entstanden sein, denn damals wurde die Statue versetzt, um mehr Platz für den Verkehr zu schaffen. Ebenfalls in dieser Zeit wurde der berühmte Kastanienbaum gepflanzt, der den Namen „Postzegelboom“ (Briefmarkenbaum) erhielt, da er zum Treffpunkt für Sammler wurde, die dort ihre Briefmarken tauschen, kaufen oder verkaufen konnten. Um den Stamm des Baumes wurden Bänke aufgestellt. Der Baum wurde 1990 im Auftrag der PTT restauriert. Poststempel mit Nachtstunden-Zeichen sind nicht sehr häufig; sie sind sogar recht selten. Schauen Sie sich also Ihre Sammlung genau an. Haben Sie einen oder mehrere solcher Abdrücke gefunden? Dann melden Sie es im Postzegelblog! Viel Spaß beim Suchen!  

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