Malmedy
Dass Belgien dreisprachig ist, ist allgemein bekannt. Und dass die deutschsprachige Region die Städte Eupen und Malmedy umfasst, ist ebenfalls weithin bekannt. Aber warum gehört Malmedy zu Belgien?
In meiner Sammlung von Postkarten aus dem Deutschen Reich befinden sich zwei Exemplare, bei denen am unteren Rand der Briefmarken die Bezeichnung „Kr. Malmedy“ zu finden ist. Dies weckte mein Interesse an der Geschichte dieser Gegend. Im Internet las ich, dass Malmedy bis 1795 zu den Südlichen Niederlanden gehörte. Das Gebiet wurde von Frankreich annektiert und gehörte anschließend unter dem Namen Malmédy zum Département Ourthe. 1815 wurden die Ostkantone (Eupen, Malmedy und St. Vith) im Zuge des Wiener Kongresses Preußen zugesprochen. Malmedy wurde Teil der Rheinprovinz. Der Name wurde in Malmünd geändert, diese Bezeichnung setzte sich jedoch nicht durch.
Die erste Postkarte wurde am 16. Februar 1907 von Burgreuland (heute Burg-Reuland) nach Herbesthal geschickt. Beide Orte liegen im Bezirk Malmedy. Der Ankunftsstempel aus Herbesthal trägt jedoch im unteren Bereich nur einen Buchstaben „a“. Bemerkenswert ist aber, dass die Karte für die Strecke von 70 Kilometern auf der Straße weniger als acht Stunden benötigte.
Die zweite Postkarte ist ebenfalls an Herrn Bangert in Herbesthal adressiert. Sie wurde am 30. September 1914 aus Weismes, ebenfalls im Kreis Malmedy, verschickt. Leider fehlt der Ankunftsstempel. Die Entfernung beträgt 35 Kilometer. Der Erste Weltkrieg war am 28. Juli 1914, nur wenige Monate zuvor, ausgebrochen. Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1919, wurde Malmedy gemäß dem Versailler Vertrag Belgien zugesprochen. Erst von 1940 bis 1944 war Malmedy wieder deutsch. Das Massaker vom 17. Dezember 1944 während der Ardennenoffensive ist berüchtigt. Dabei starben 90 amerikanische Kriegsgefangene. Nach dem Krieg wurde das Gebiet um Eupen und Malmedy wieder Teil Belgiens und gehört bis heute dazu. Scheinbar eine sehr ruhige Gegend, doch mit einer bewegten Geschichte.

Es ist eine sehr faszinierende Gegend. Eupen gehörte früher zum niederländischsprachigen Teil des ehemaligen Herzogtums Limburg. Malmedy ist seit jeher französischsprachig und Sankt Vith deutschsprachig geblieben. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden belgische Briefmarken mit den Aufschriften Eupen, Malmedy und Eupen & Malmedy herausgegeben.
Die Gründungsdaten weniger antiker Städte sind so gut bekannt wie die von Stavelot und dem benachbarten Malmedy. Im Jahr 648 erhielt Remaclus, Abt des Klosters Solignac in Aquitanien, von König Sigebert III. von Austrasien ein Waldstück in den Ardennen, um diesen Teil des Königreichs zu christianisieren. Er gründete die Doppelabtei Stavelot-Malmedy. Dies markierte den Beginn der beiden Städte und eines Kirchenstaates, der über 1000 Jahre lang autonom blieb. Die Rivalität zwischen den beiden Abteien wurde 980 von Otto III. zugunsten von Stavelot entschieden.