Verschlagene Maimeisen, Fledermäuse auf der Speisekarte
Ich habe kürzlich etwas Unglaubliches gelesen. Etwas, womit ich nie gerechnet hätte. Die süßen kleinen Kohlmeisen, für die ich jeden Winter treu Erdnussnetze und Meisenknödel im Garten aufhänge, entpuppen sich mitunter als Raubtiere. Welche Tiere könnten bloß einem so kleinen Singvogel zum Opfer fallen? Und ich meine damit nicht die Spinnen und Raupen, die die Kohlmeise frisst.
Die Antwort: Zwergflöhe
Forscher untersuchten das Verhalten der Kohlmeise im Bükkgebirge über zwei Winter hinweg. Parus majorDie Zwergfledermaus, die oben auf einer Briefmarke aus Jugoslawien (1974) und daneben auf einer aus Palästina (1997) abgebildet ist, ist etwa 14 Zentimeter lang und lebt hauptsächlich in Waldgebieten. Das Bükk-Gebirge ist ein solches Waldgebiet. Dort gibt es auch mindestens 800 Höhlen. In diesen Höhlen überwintern Zwergfledermäuse. Die Forscher entdeckten, dass Kohlmeisen den Geräuschen aus den Höhlen genau lauschen. Sobald sie die Fledermäuse entdeckt haben, fliegen sie hinein und kommen nach etwa zehn Minuten mit einer kleinen Fledermaus im Schnabel wieder heraus. Es wurden auch Fledermauskadaver mit Spuren von Vogelschnäbeln gefunden. Eine so kleine Zwergfledermaus (Pipistrellusist ungefähr 3 1/2 bis 5 Zentimeter lang und wiegt maximal 8,5 Gramm.
Das Menü der Kohlmeise

Wenn man die furchterregende Zwergfledermaus auf der rumänischen Briefmarke (2006) sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass sie von der niedlichen ungarischen Kohlmeise (1961) daneben verschlungen wird.

Normalerweise ernähren sich Kohlmeisen von Nüssen, Beeren, Samen und kleinen Insekten. Auf der Briefmarke (1996) aus Andorra ist eine Kohlmeise beim Beerenfressen abgebildet, und Schweden (2004) zeigt eine Kohlmeise beim Samenfressen. Die Kohlmeise speichert Samen und Fette für den Winter in ihrem Körper. Sie versteckt auch Nahrung in den Bäumen. Bei Schneefall ist diese Nahrung jedoch schwer zu finden. Vermutlich ist dies der Grund, warum diese kleinen Vögel Fledermäuse jagen.
Die älteste Briefmarke, die neueste, und sind das wirklich tolle Titten?

Die älteste Briefmarke mit einer Kohlmeise, die ich finden konnte, stammt aus Rumänien aus dem Jahr 1959, die jüngste wurde 2009 von Spanien herausgegeben.

Laut Japan (1997) und Korea (2006) handelt es sich hierbei um Kohlmeisen. Mir fehlt jedoch der charakteristische gelbe Bauch dieses kleinen Singvogels.

Beim Anblick der Briefmarken Belgiens (1992, André Buzin) und Monacos (2002) oben kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese fröhlichen kleinen Vögel Fledermäuse jagen. Damit mein Bild von diesem niedlichen Vogel nicht völlig getrübt wird, möchte ich mich an die Aussage eines Forschers halten: „Das hat nichts mit Aggression zu tun. Es ist schlicht und einfach eine Überlebensstrategie.“ Also, Kohlmeisen: Ihr seid auch diesen Winter wieder herzlich in meinem Gartenrestaurant willkommen.

Was für ein schöner Überblick, Jacqueline! Und witzig noch dazu. Das zeigt mal wieder, dass der Schein trügen kann. Wirklich beeindruckend ist die Tatsache, dass Kohlmeisen sogar rumänische Fledermäuse fressen. Schließlich sind diese die Nachfahren des berühmtesten Vampirs aller Zeiten: Dracula, der in den rumänischen Bergen Transsilvaniens lebte…
@Robert, brrr… Dracula, ein grausamer, gruseliger Graf. Du hast mir da echt eine Idee gegeben, danke! Daraus könnte man eine Geschichte machen. Mach schon mal den Knoblauch bereit 🙂
Guter Beitrag
Hier ist noch ein netter Link
http://www.bird-stamps.org/species/145033.htm
@Andre, danke. Schöner Link. Da sind ein paar wunderschöne Kohlmeisen dabei. Ich habe im Garten noch nicht viele gesehen. Wahrscheinlich ist es noch nicht kalt genug. Dafür fliegen aber jede Menge Fledermäuse herum. 🙂