Die Geschichte des Briefmarkensammelns, Teil 26 – Die Fette Elb von Dresden

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In der Dezemberausgabe 1863 des „Magazins für Briefmarkensammler“ findet sich eine Anzeige von Jeanne Wed. (Witwe) Elb aus Dresden, in der sie Alben, Briefmarken und Kataloge zum Verkauf anbietet. Das Briefmarkengeschäft wurde von ihr betrieben, gehörte aber ihrem Sohn Ferdinand Elb. Während seiner Studienzeit handelte Ferdinand ausgiebig mit Eisenbahnaktien, was ihm kaum Zeit für Vorlesungen ließ. 1864 jedoch handelte er zusammen mit seiner Mutter mit Briefmarken und entwickelte sich mit besonderen – und nicht ganz ehrlichen – Methoden zu einem geschickten Kerl. So reiste er beispielsweise 1864 nach Berlin und ging am 5. August zur Hauptpost. Er hatte hundert Umschläge dabei – mit den Werten 4, 5, 6 und 7 Silbergroschen (die Silbergroschen wurden nach der Reichsgründung 1871 durch 10 Pfennig ersetzt) ​​– die sogenannten achteckigen Umschläge. Nicht die Originale von 1852, sondern die Nachdrucke von 1864. Auf diese Umschläge klebte er ein oder zwei Nachdrucke der ersten preußischen Briefmarke. Er adressierte alle Umschläge an sich selbst und gab sie per Einschreiben aus Berlin auf. Zu Hause verkaufte er die Umschläge schnell und mit gutem Gewinn weiter, ohne die Käufer darüber zu informieren, dass sie mit nachgedruckten Briefmarken versehen waren. Dies war auch unnötig, da seine Kunden ihn sonst seltsam angeschaut hätten. Damals konnte eine Briefmarke nur aus zwei Dingen bestehen: echt oder gefälscht. Erst viel später, als Sammler sich verstärkt dem Studium von Briefmarken widmeten, entdeckten sie Elbs Witz. Die „Elb“-Buchstaben wurden zu gesuchten Gegenständen. Im Jahr 1895 konnte ein Exemplar 100 Mark (100 Pfennig = 1 Mark) einbringen, die für ein solches Stück gezahlt wurden. 1864 veröffentlichte er seinen eigenen Katalog mit dem unvorstellbar langen Titel: „Katalog nebst Preisliste mit Beschreibung über alle seit Anbeginn der Ausgabe von Briefmarken überhaupt bis zum heutigen Tage ausgegeben und projectirten Briefmarken und Stempel, enthaltend bis dato 2800 Nummer.“ Hrsg. unter Beihilfe u. Revision eines höheren Postbeambten u. Benutzung authentischer, offizieller u. privater Quellen. Dresden: Selbstverlag 1864 (Katalog und Preisliste mit Beschreibung aller seit Beginn der Briefmarkenausgabe bis heute erschienenen Briefmarken und Poststempel, insgesamt 2,800 Einträge. Herausgegeben und überarbeitet unter Verwendung authentischer, amtlicher und privater Quellen. Dresden: Selbstverlag 1864. 1866 und 1867 wurden Ergänzungen hinzugefügt. 1865 verfasste er folgenden Text für eine Anzeige:)
Dresdner Express Company: „Um den zahlreichen Anfragen in- und ausländischer Sammler und Händler bezüglich unserer neu erschienenen Briefmarken und Briefumschläge gerecht zu werden, haben wir die Gesellschaft an Herrn Ferdinand Elb in Dresden – den Vorstand – verkauft.“ Nachfolgend finden Sie eine Anzeige von Ferdinand Elb, in der er Briefmarken und Briefumschläge der Dresdner Express Company zu symbolischen Preisen anbietet.
Die Dresdner Expressgesellschaft existierte zwar tatsächlich im Jahr 1861, war aber nur von kurzer Dauer. Bereits 1865 war sie nicht mehr aufgelöst. Weitere ihm zugeschriebene Fälschungen sind eine Briefmarke mit der Aufschrift „Kissingen Schweinfurt Express Privilig“ und Stadtbriefmarken eines nicht existierenden Stadtpostdienstes Leitmeritz. Ferdinand Elb ist als „der dicke Elb von Dresden“ längst in die Philateliegeschichte eingegangen, was jedoch auf einem Missverständnis beruhen könnte. Ferdinand war nämlich nicht so dick wie sein Onkel. Dieses Missverständnis könnte auf einen Artikel in der Novemberausgabe 1865 von „Le Timbrophile“ zurückgehen, in dem berichtet wurde, dass am 4. November in Paris im Alter von 48 Jahren Herr J. W. Elb aus Sachsen verstorben sei. Weiter hieß es: „Herr Elb war von solcher Statur, dass er Erstaunen und Neugierde erregte. Er wog 179 Kilo, und sein Sarg, der nicht in eine normale Kutsche passte, war 80 Zentimeter hoch.“ Dieser J. W. Elb war Korrespondent seines Cousins ​​Ferdinand in Dresden in Paris und verfügte daher stets über einen großen Bestand an Postsendungen aus den deutschen Staaten. Er beschäftigte sich häufig mit Nachdrucken. Nach seinem Tod wurden die Briefmarkenhändler Mahé und De Laplante (beide bereits in dieser Reihe erwähnt) mit der Versteigerung seines Nachlasses beauftragt. Am 29. Dezember 1865 erzielten seine Besitztümer im renommierten Auktionshaus Hôtel Drouot rund 800 Francs. Dies war zu jener Zeit eine beträchtliche Summe. Diese Auktion gilt als die erste in Europa, bei der auch Briefmarken versteigert wurden. Zuvor war 1862 in New York ein Briefmarkenlos im Rahmen einer Münzauktion unter den Hammer gekommen. Pierre Mahé schreibt in seinem Werk „Les Marchands d’aujourd hui“: „In Paris lebte einst der Briefmarkenhändler Josef W. Elb. Dieser Elb war eine imposante Erscheinung, denn er wog 208 Kilo. Seine Taschen waren stets mit Keksen und anderen, nicht immer frischen, Erfrischungen gefüllt. Er war ein Original und hatte eine hohe, kindliche Stimme. Aufgrund seiner Statur konnte er nicht mit dem Auto reisen und musste daher überall zu Fuß hingehen.“ Die Beschreibung des „dicken Elb von Dresden“ trifft daher nicht ganz auf Ferdinand, den Hersteller der „philatelistischen Stücke“, zu, sondern eher auf seinen Onkel, der in Paris lebte. Dass der Dicke Elb eine Art Weltwunder war, zeigte sich schon daran, dass sogar die angesehene und seriöse britische Zeitung „The Times“ in ihrer Ausgabe Nummer 10 aus dem Jahr 1865 seinen Tod erwähnte.
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