Die Geschichte des Briefmarkensammelns Teil 21 – Der Wettbewerb bricht aus

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Ende der 1970er-Jahre erschien in der niederländischen Zeitschrift „Philatelie“ eine faszinierende Artikelserie von K. Kouwenberg zur Geschichte des Briefmarkensammelns. Diese Serie inspirierte Rob Smit, den Inhaber von PostBeeld, die Geschichte des Briefmarkensammelns in mehreren Teilen neu zu schreiben. Dies ist Teil 21. Das Jahr 1863 begann gut. In ganz Europa erfreute sich die Philatelie – oder Timbromanie, wie sie auch genannt wurde – immenser Beliebtheit. In England war die Nachfrage nach dem „Stamp Collector’s Magazine“ so groß, dass die ersten vier Ausgaben nachgedruckt wurden. In der ersten Ausgabe findet sich ein Artikel mit dem Titel „Postal Chit-Chat“, eine kurze Beschreibung der Freiluftausstellung in Cheapside, London. „Vor zwölf Monaten gab es in London kein einziges Geschäft, in dem man Briefmarken kaufen konnte. Jetzt gibt es ein Dutzend oder mehr seriöse Händler und darüber hinaus viele Leute, die mit den von Rowland Hill hergestellten Artikeln Gewinn machen können“, hieß es in dem Artikel. Auch anderswo in Europa schossen Briefmarkenläden wie Pilze aus dem Boden. Es war offensichtlich, dass nicht wenige nur an schnellem Geld aus diesem Boom interessiert waren und sich nicht ernsthaft für Philatelie interessierten. Sie gerieten oft in Vergessenheit, da das Wissen unter Sammlern durch die Informationen aus der wachsenden Zahl von Zeitschriften zu diesem Thema schnell zunahm. Es herrschte nun echter Wettbewerb. Nicht nur zwischen Händlern, sondern auch zwischen Zeitschriftenverlagen. Deshalb verschenkte das „Stamp Collector’s Magazine“ ab April 1863 jeden Monat eine Gratis-Briefmarke. Es handelte sich um wertlose, unbenutzte Briefmarken, die man günstig in großen Mengen erwerben konnte. Ihre Unbenutztheit war wichtig, da sie einfach in die Zeitschrift geklebt waren. Für Sammler jener Zeit spielte die bereits verwendete Gummierung keine Rolle. Sie nahmen die kostenlose Marke einfach aus der Zeitschrift und klebten sie in ihre eigenen Alben. Obwohl die Briefmarken wertlos waren, war diese Masche beliebt. In den Ausgaben des „Stamp Collector's Magazine“ von 1863 befanden sich eine 1-Cent-Marke aus Lepton (braun) aus Griechenland, eine 3-Cent-Marke aus Silb.Gr. (grün) von Thurn und Taxis, eine 1-Cent-Marke aus Boyd's City Express, eine 3-Pfand-Marke aus Saksen (grün, 1863), eine 2-Cent-Marke aus Italien (gelb, 1862), eine 4-Cent-Marke aus Italien (1863), eine 3-Cent-Marke aus Schweden (braun) und eine 2-Cent-Marke aus Spanien (blau auf gelb, Juli 1862). Eine schöne Sammlung aus einem Abonnement, und dieses System wurde jahrelang beibehalten. Das Angebot kostenloser Briefmarken zeigte große Wirkung, und die Leserschaft wuchs rasant. Andere Zeitschriften ahmten diese Strategie nach, obwohl einige keine Originalmarken, sondern nur Nachdrucke oder Faksimiles anboten. Die Brüder Senf verschenkten Jahre später Faksimiles mit ihrem „Illustrirten Briefmarken Journal“. Der Markt wurde mit diesen Angeboten überschwemmt, was schließlich zu heftigen Protesten von Sammlerorganisationen führte. Die Firma Senf beschloss daraufhin, ihre Gratis-Briefmarkenaktion einzustellen. Um die Jahrhundertwende waren Gratis-Briefmarken fast vollständig verschwunden. Doch in den letzten Jahren ist das Phänomen wieder aufgetaucht, insbesondere beim Kauf von Katalogen. Der belgische „Belgische Bond Postzegelcatalogus“ bietet einen speziellen Briefmarkenbogen an, der NVPH (die offizielle Gesellschaft der niederländischen Briefmarkenhändler) verschenkt Vorlagen mit seinem Sonderkatalog und speziell angefertigte personalisierte Bögen in seinem Katalog „Personal Stamps“.
Gastbeitrag