Hammer und Sichel

Landwirtschaft industrie Briefmarken
Im Jahr 1917 wurde der Grundstein für die alte Flagge der SowjetunionEin rotes Feld mit einem gekreuzten Hammer und einer Sichel in Gold in der oberen linken Ecke. Später wurden Hammer und Sichel Teil des Staatswappens der Sowjetrepublik. Die russischen Revolutionäre übernahmen die rote Farbe der Flagge während der Französischen Revolution, da diese Farbe auch von der Pariser Kommune verwendet wurde. In diesem Fall bedeutete Rot: „Macht dem Volk!“ In der Flagge, die Hammer und Sichel aufgenommen im Jahr 1922 und im Wappen im Jahr 1924. Die ersten Briefmarken der Sowjetunion erschienen am 7. November 1918. Es handelte sich um zwei Marken mit dem Motiv eines Kettenbrechers. Am 10. August 1921 wurden die nächsten drei Marken herausgegeben. Sie waren nun, angesichts der bevorstehenden Rezession, nicht mehr in Kopeken, sondern in Rubel notiert. Mit etwas Mühe lassen sich die Motive der 1- und 2-Rubel-Briefmarken erkennen: Getreidegarben, ein Krug, eine Sense. Die Briefmarken waren demnach Symbole der Landwirtschaft. Die 5-Rubel-Briefmarke symbolisierte Handarbeit und Industrie. Doch selbst Vergrößerungen geben kaum Aufschluss. Die ebenfalls am 10. August 1921 herausgegebene 20-Rubel-Briefmarke zeigte jedoch Hammer und Sichel. Sie war somit die erste, die das Symbol der Sowjetunion abbildete. Darüber hinaus existiert eine 40-Rubel-Briefmarke mit dem Bild eines Arbeiters als Drachentöter. In seiner Hand hält er kein Werkzeug, sondern ein Schwert. Anschließend erschienen weitere Briefmarken im gleichen Design wie die 1- und 2-Rubel-Marken, jedoch in höheren Nennwerten. Die Währungsabwertung hatte stattgefunden. Die Briefmarken erschienen am 25. August 1921, zwei Wochen nach der Erstausgabe, in Nennwerten von 100 Rubel bis einschließlich 1.000 Rubel. Doch nun war das Bild auf der Briefmarke als Symbol für Handarbeit und Industrie deutlich erkennbar: Hammer und Amboss. Auch auf der 5-Rubel-Briefmarke ist ein Amboss mit Hammer zu erkennen. Erst im März 1923 erschien eine Briefmarke im Wert von 7.500 Rubel, die das Motiv der 1918 herausgegebenen 20-Rubel-Marke zeigte, während der höchste Wert dieser Serie bei 22.500 Rubel lag. Letztere Marke zierte einen Hammer im Zentrum des Bildes. Briefmarken voller Symbolik. Oder sehen Sie das anders?

6 Kommentare

  1. Diese originalen (und ungestempelten) Briefmarken aus der Sowjetzeit sind allerdings wunderschön.
    Ich habe selbst einmal einen kurzen Überblick über die Entwicklung „Russlands“ von den Zaren bis heute verfasst. Klicken Sie auf meinen Namen.

  2. Neben der Symbolik finden sich auf den Briefmarken auch zahlreiche dekorative Elemente. Bei den ersten beiden Marken sind es Jugendstil-Verzierungen, die den runden Rahmen am oberen Rand schmücken. Bei späteren Marken ändert sich der Stil, vermutlich unter dem Einfluss des Art déco, der in osteuropäischen Ländern deutlich vertreten war und auch die Grafik beeinflusste.

    Die letzte Briefmarke ist wahrlich eine Briefmarke im „neuen Stil“; der Unterschied zu den ersten beiden Briefmarken ist deutlich sichtbar.

    Die ersten beiden Briefmarken erinnern mich auch ein wenig an die „Arts & Crafts“-Dekorationen von Morris & Co. Diese Art von Dekoration legte übrigens den Grundstein für den Jugendstil.

    Meiner Meinung nach ist an diesen russischen Briefmarken auch interessant, dass sich zum ersten Mal Kunstströmungen und die Veränderungen innerhalb dieser Strömungen deutlich in den Briefmarkenmotiven widerspiegeln.

    Bis dahin waren die meisten Briefmarkenentwürfe weitgehend losgelöst von den Entwicklungen in der Kunst.

  3. Weitere Briefmarken im Art-Deco-Stil:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Art_Deco_stamps

    Innerhalb des Art déco können jedoch erhebliche Unterschiede bestehen. Es handelt sich um eine Art Mischmasch verschiedener Stile.

    Hier ist ein Beispiel für ein Design im Arts-and-Crafts-Stil von Morris; ich sehe diese Art von Blättern auch auf diesen russischen Briefmarken. (Morris war übrigens Sozialist.)

    http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Morris_Acanthus_Wallpaper_1875.jpg

    Mehr von William Morris:

    http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:William_Morris_textiles

  4. Entschuldigung, der Drachentöter zeigt bereits einen ganz anderen Stil. Nebenbei bemerkt, ich bin kein professioneller Kunstkenner, aber Folgendes fällt mir an diesen Stempeln auf: neben Hammer und Sichel noch andere Symbole.

  5. Jugendstil, Arts & Crafts – sagen wir, die üppigen Verzierungen – fallen unter die Bezeichnung „Art Nouveau“. Das Schöne daran ist, dass die Entwicklung vom Jugendstil zum Art déco auf niederländischen Briefmarken deutlicher sichtbar ist als auf russischen und dort auch weitaus schöner umgesetzt wurde!

    Der Jugendstil lässt sich bereits bei den niederländischen Dauermarken ab 1899 erkennen und ist beispielsweise auch bei den Tuberkulose-Briefmarken zu sehen. Ab den 20er Jahren beginnt sich dann der „Hausstil“ zu verändern.

    Übrigens scheint es, dass einige der Art-Deco-Briefmarken nicht in einem großen Format entworfen und dann verkleinert wurden, sondern direkt im Briefmarkenformat gestaltet und gezeichnet wurden.

    Wir meckern zwar manchmal über die niederländischen Veröffentlichungen, aber das hier zeigt, dass dem Design und der Ausführung *sehr* viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde und (meiner Meinung nach) immer noch gewidmet wird.

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