Eine endlose Serie!
Nach dem Tod des Prinzregenten Leopold bestieg König Ludwig III., Leopolds Sohn, den bayerischen Thron. Ab dem 30. März 1914 wurden Briefmarken mit dem Bildnis des Königs herausgegeben. Die Briefmarken wurden von Professor Walther Firle nach Fotografien von Graimer entworfen. Zuvor hatten bereits zwei andere Designer Entwürfe eingereicht, deren Entwürfe (Professor Otto Hupp und Professor Peter Halm) jedoch abgelehnt worden waren.
Fotos von Graimer? Dieser Name wurde zwar im Sonderkatalog Michel erwähnt, doch bei meiner Recherche im Nürnberger Archiv 1999 stieß ich nicht darauf. Ich fand jedoch eine Abbildung eines Gemäldes von Professor Firle mit dem Porträt des Königs. Auch andere Namen tauchten auf, etwa der von Oswald Kresse, der den ovalen Rahmen des Porträts – und damit den Ländernamen und die Wertangaben – entworfen haben soll. In der offiziellen Ankündigung der Serie vom 7. März 1914 wird jedoch nur der Name von Professor Walther Firle genannt.

Die Briefmarken wurden in der Buchdruckerei der Firma Friedrich Bruckmann AG gedruckt, wo 1904 eine Zylindertiefdruckmaschine installiert worden war. Diese Maschine mit 75 cm breiten Zylindern stammte ursprünglich von John Wood aus Ramsbottom bei Manchester (Großbritannien) und war einfarbig. Ein Probedruck wurde mit dem Wert von 2½ Pfennig angefertigt, einem Wert, der in der endgültigen Serie nicht erschien. Die ersten Briefmarken wurden auf dieser Maschine im Rotationstiefdruckverfahren hergestellt.


Die Serie bestand aus drei verschiedenen Designs in drei verschiedenen Größen. Die zehn niedrigsten Werte in Pfennig in kleiner Größe. Ich zeige nur einige wenige Werte aus der Serie.

Die 1, 2 und 3 Markierung in mittlerer Größe.

Die 5-, 10- und 20-Marke im Großformat.


In den Jahren 1914 und 1915 wurde schönes weißes Papier verwendet, das später kriegsbedingt nicht mehr verfügbar war. Das später verwendete Papier ist deutlich grauer. Daher spricht man in Sammlerkreisen von einem Friedensdruck (nur perforierte Marken) und einem Kriegsdruck (sowohl perforierte als auch unperforierte Marken). Somit lassen sich bereits zwei Varianten klar unterscheiden – genauer gesagt drei, wenn man die unperforierten Marken als Variante mitzählt.




Doch der Krieg hielt noch mehr bereit. Zunächst änderten sich die Farben einiger Briefmarken. Eine Marke erhielt den Aufdruck 2½ Pfennig. Außerdem wurden mehrere neue Werte eingeführt: 2 Pfennig, 7½ Pfennig und 15 Pfennig. Dies geschah von 1916 bis 1918. Selbstverständlich gab es sowohl gezähnte als auch ungezähnte Marken.



Der Krieg führte auch zum Ende des Königreichs Bayern. Es wurde eine Republik. Alle verbliebenen Briefmarken wurden mit dem Aufdruck „Volksstaat Bayern“ versehen. Sie wurden ab dem 1. März 1919 ausgegeben. Ich zeige Ihnen einige Beispiele, sowohl perforierte als auch unperforierte.



Doch damit nicht genug: Ab dem 6. August 1919 erhielten alle Briefmarken einen neuen Aufdruck: „Freistaat Bayern“, natürlich wieder sowohl gezähnt als auch ungezähnt. Auch hier zeige ich nur einige wenige Beispiele.


Am 25. August 1919 erschien eine weitere Serie von drei Briefmarken mit Aufdrucken, ein 5-Pence-Zuschlag für Kriegsopfer. Zwei Aufdrucke auf einer Marke. Genug Aufdrucke?




Nein, denn die braune 1-Mark-Marke wurde in drei verschiedenen Farben neu gedruckt und mit den neuen Werten 1,25 Mark, 1,50 Mark und 2,50 Mark überdruckt – und zwar sowohl perforiert als auch unperforiert. War das einfacher, als drei neue Marken mit den neuen Werten herzustellen?

Und falls Sie noch mehr Varianten wünschen? Dann fügen Sie die Briefmarkenheftchen Nr. 7, 8 und 9 oder deren Einzelteile hinzu. Auch unperforiert erhältlich…

Oder solche mit einem perforierten E der Eisenbahn, der Bayerischen Staatsbahnen. Oder mit Firmenperforationen wie BASF. Und die Briefmarken der Serie? Davon gibt es unzählige, sodass man wunderbar sammeln kann. Die Vielfalt an Varianten ist schier endlos. Weitaus mehr, als ein durchschnittlicher Katalog oder ein vorgedrucktes Album vermuten lässt. Ist das nicht toll?

'@Cees
Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen???
Siehe auch die Geschichte von Boris Fuchs [mit einer kleinen Abweichung meinerseits]:
http://www.arbeitskreis-druckgeschichte.de/downloads/ erstetiefdruckbriefmarkenbeibruckmann.doc
Und zu Walther Firle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_III._(Bayern)
Rein, eines meiner Sammelgebiete sind die Briefmarken Bayerns, insbesondere die Mühlrad-Stempel. Für mich ist es eine wunderschöne Serie mit noch viel mehr Wissenswertem, aber das wäre für viele Sammler wohl zu viel! Ich habe gerade Boris Fuchs' Text gelesen (er war mir unbekannt) und ihn daher der Dokumentation über Bayern hinzugefügt. Schade, dass Bilder fehlen! Ja, wie kommt man eigentlich auf ein Thema? Man blättert einfach in seinen Alben, und es ergibt sich ganz von selbst.
Cees, wenn du den Michel-Katalog aufmerksam liest, wirst du sehen, dass die unperforierten „Ludwig“-Marken nicht gleichzeitig mit den perforierten, sondern erst am 4. März 1920 ausgegeben wurden. Folgendes ist in keinem Briefmarkenkatalog vermerkt: Erstens wurden einige Bogen mit niedrigem Pfennig-Wert irrtümlich in einigen Postämtern verkauft; zweitens wurden während der Aufstände von 1918 und 1919 unter anderem unperforierte Marken aus der Postverteilungsstelle gestohlen. Zu den zusätzlichen Informationen über die perforierten und unperforierten Marken: Die Druckereien produzierten bis weit in das Jahr 1920 hinein Briefmarken für die Reparationszahlungen (Briefmarken waren ein Zahlungsmittel) nach dem Ersten Weltkrieg.