Teufelswerk?

prinsregent-luitpold-150p.jpgDas Königreich Bayern in Süddeutschland war ab 1871 Teil des Deutschen Reiches. Bayern behielt in vielen Bereichen seine Autonomie. Die bayerischen Könige aus dem Hause Wittelsbach unterhielten ihr eigenes Heer und ihre eigene Post und gaben sogar eigene Briefmarken mit dem Staatsnamen Bayern heraus (bereits am 1. November 1849!). Dies dauerte bis 1918, als König Ludwig III. durch einen Volksaufstand abgesetzt wurde. luitpold-5-pf-785-200p.jpgIm März 1911 feierte Prinzregent Luitpold, der Vorgänger König Ludwigs III., seinen 90. Geburtstag. Zu diesem Anlass wurde eine Serie von 16 Briefmarken herausgegeben. Auf den niedrigeren Werten ist er mit Bart, auf den höheren in Jagdkleidung abgebildet. Der Designer war Prof. Friedrich August von KaulbachOffenbar war er kein Freund des Monarchen, denn die wertvollen Briefmarken, die er mit Lorbeerkränzen verzierte, zeigten überall spöttische Teufelsköpfe! Der Drucker der Briefmarken, das Topographische Institut des Kriegsministeriums, bemerkte nichts davon. Sie druckten kleine Teufel, die den Monarchen auslachten und sogar Luitpold die Zunge herausstreckten! luitpold-3-m-786-400p.jpg luitpold-3-m-b-791.jpg luitpold-3-m-b-790.jpg luitpold-20-pf-p-798n-200p.jpgDer Designer hatte seine Initialen deutlich auf den niedrigwertigen Briefmarken angebracht, wagte es aber offenbar nicht, dies auf den höherwertigen zu tun. Die Initialen FAK sind nur sehr schwach und klein in das Briefmarkenbild eingearbeitet. Im Juni 1911 erhielt der Professor eine weitere Gelegenheit, dem Monarchen einen Streich zu spielen. Er entwarf zwei Briefmarken zum 25. Jahrestag von Luitpolds Regentschaft. Auch hier integrierte er kleine, spöttische Teufel in den Kranz um das Porträt seines Herrschers. luitpold-5-pf-e-795.jpgErst viel später wurden die spöttischen Teufel entdeckt, doch da existierte das Königreich Bayern bereits nicht mehr. Auch Luitpold selbst dürfte davon wohl nichts gewusst haben, da er am 12. Dezember 1912 in München starb. Sein Nachfolger war Ludwig III. Gibt es noch andere Briefmarken, auf denen der Gestalter solche Scherze eingebaut hat? Ich bin neugierig!

6 Kommentare

  1. Und vor allem, wenn sie noch eine Rechnung mit dir offen haben. Ich finde es durchaus kreativ. Hat er sich jemals Gedanken darüber gemacht, dass Jahre später viele Menschen seine Entwürfe mit großem Interesse untersuchen würden?

  2. Ich finde, Cees' Arbeiten sind mit Abstand die besten...
    Ein Philatelist durch und durch.
    Großartig, Cees!!

  3. Was hältst du von Slania? Er hat so einige versteckte Botschaften in seine Briefmarken eingebaut. Schade, dass ich keine Abbildungen zeigen kann, aber schau doch mal auf Heindorfuss' Website vorbei.

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