Drei Amtssprachen in einem Land – wie weit müssen wir noch gehen?

Belgien Ausbildung Luxemburg
language border-1980-924.jpgBelgien steht vor einer schwierigen Situation. Wenn drei Sprachen als Amtssprachen anerkannt werden, was geschieht dann mit den Stempeln? Die Amtssprachen sind Französisch, Niederländisch und Deutsch. Natürlich werden diese Sprachen nicht im ganzen Land gesprochen. Spezielle Sprachgesetze regeln die Sprachgrenzen. Belgien ist durch die Sprachgrenze, die grob in Ost-West-Richtung verläuft, in zwei Teile geteilt. Nördlich dieser Grenze liegt das Gebiet, in dem Niederländisch Amtssprache ist – nicht nur im Alltag, sondern beispielsweise auch im Bildungswesen, in der Justiz und bei den kommunalen Diensten. Südlich der Grenze wird Französisch gesprochen, und auch hier dient diese Sprache als offizielle Unterrichtssprache. Brüssel bildet hier eine Ausnahme, denn dort haben Niederländisch und Französisch die gleichen Rechte. Und um die Sache noch komplizierter zu machen: Im Osten Belgiens gibt es ein deutschsprachiges Gebiet. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Königreichs Belgien hatte die belgische Post die Idee, die bestehenden 6,50-Franc-Postkarten mit den Wappen der Provinzen zu versehen, zusammen mit den Jahreszahlen 1830–1980, dem Landesnamen und dem Namen der Provinz. Allerdings stimmen die Provinzgrenzen in vielen Fällen nicht mit den Sprachgrenzen überein! Die Provinz Luxemburg (Hauptstadt Arlon) stellte hingegen kein Problem dar: Französisch. Dasselbe galt für Hennegau (Hauptstadt Mons) und Namur (mit gleichnamiger Hauptstadt). luxembourg-f-1980-929.jpg hainaut-f-1980-935.jpgnamur-f-1980-934.jpg In der Provinz Brabant gab es jedoch klar abgegrenzte niederländischsprachige Gebiete (Flämisch-Brabant, Hauptstadt Leuven), französischsprachige Gebiete (Wallonisch-Brabant, Hauptstadt Wavre) und Gebiete, in denen beide Sprachen gesprochen wurden. Rat war schwer zu bekommen, doch man beschloss, alle zufriedenzustellen. So wurde eine Postkarte mit ausschließlich niederländischem Text, ausschließlich französischem Text, einer Kombination aus Niederländisch und Französisch sowie einer Kombination aus Französisch und Niederländisch herausgegeben. brabant-nf-1980-925.jpg brabant-f-1980-926.jpg brabant-fn-1980-927.jpg brabant-n-1980-928.jpg Für die Provinzen Antwerpen (mit der gleichnamigen Hauptstadt), Westflandern (Hauptstadt Brügge), Limburg (Hauptstadt Hasselt) und Ostflandern (Hauptstadt Gent) war es ebenfalls kein Problem: die niederländische Sprache. antwerpen-n-1980-931.jpg  west-vlaanderen-n-1980-930.jpg limburg-n-1980-933.jpg  oost-vlaanderen-n-1980-932.jpg Das deutschsprachige Gebiet (Eupen und Malmedy) gehörte zur Provinz Lüttich (Luik mit gleichnamiger Hauptstadt). Es war daher sowohl rein französischsprachig als auch zweisprachig: deutsch und französisch. Der Grund dafür war, dass die Amtssprache in diesem Gebiet Deutsch war, Französisch aber als zweite Sprache galt. Auf Deutsch lautet der Ortsname Liège „Lüttich“. liege-f-1980-936.jpg   luttich-f-1980-937.jpg Und Brüssel? Brüssel war nicht beteiligt, da die Stadt keine Provinz ist. So waren alle zufrieden. Die zehn Provinzen Belgiens und die belgische Post, denn statt zehn Postkarten konnten sie nun dreizehn verkaufen. Der Preis? 84,50 Franken für den Wert der Karten, zuzüglich 15,50 Franken für das komplette Set: 100 Franken. Kasse.

9 Kommentare

  1. In den Niederlanden sind Niederländisch und Friesisch anerkannte Amtssprachen.
    Wo ist die Grenze?

  2. @JHAvis, was für eine seltsame Frage. Sind die Grenzen Frieslands nicht auf diversen topografischen Karten ganz klar eingezeichnet?

  3. Und außerdem, überall dort, wo Leute „Goendei, hoe is't dermei“ sagen, muss die Sprachgrenze tatsächlich nicht vollständig mit der topografischen Grenze übereinstimmen; ich denke, das ist sicherlich richtig. Bis bald!

  4. @Dolores

    Ich glaube, Jaap meint die Grenze für TNTPost. Selbst in den Provinzbezirken konnten sie keinen Friesen absetzen...

  5. @Jaap, meinst du „Wie weit sollten wir gehen?“? Die Niederlande gehen bei der Herausgabe von Dokumenten in anderen Sprachen als Standardniederländisch alles andere als weit. Während manche Länder bei ihren Dokumentenausgaben recht regionalistisch vorgehen, sind die Niederlande vielleicht etwas zu vorsichtig?

    Die Herausgabe aller Briefmarken sowohl in Friesisch als auch in Niederländisch erscheint mir etwas unsinnig. Die Situation hier ist schließlich anders als in Belgien. Auch in Spanien werden Porto und Ähnliches nicht separat auf Katalanisch aufgeführt, obwohl es zweifellos katalanische Briefmarken und andere Artikel gibt.

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