Chemnitz oder Karl-Marx-Stadt?
Chemnitz, im deutschen Bundesland Sachsen gelegen, war nach Leipzig und Dresden die größte Stadt der ehemaligen DDR. Chemnitz war ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt und wurde im Zweiten Weltkrieg schwer bombardiert. Vom 10. Mai 1953 bis zum 31. Mai 1990 trug die Stadt den Namen Karl-Marx-Stadt.
Die Stadt wurde von der DDR-Regierung umbenannt, die 1949 während der sowjetischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Diese Regierung erließ 1952 ein Gesetz, das alle ehemaligen Bundesländer im Osten des Landes auflöste und den Weg für die Umbenennung von Städten und Bundesländern ebnete. So konnte Chemnitz zu Ehren des deutschen Philosophen, Ökonomen und revolutionären Sozialisten Karl Marx in Karl-Marx-Stadt umbenannt werden.
Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren. Er prägte die politische Philosophie maßgeblich und war einer der Gründer der Arbeiterbewegung. In der Geschichte des Sozialismus und Kommunismus war er eine Schlüsselfigur. Er starb am 14. März 1883 in London und wurde auf dem Highgate Cemetery im Norden Londons beigesetzt. In Karl-Marx-Stadt steht eine große Büste von Marx, die auf einer Briefmarke vom 5. Oktober 1971 abgebildet war. Dieselbe Büste zierte auch eine Briefmarke der DDR aus dem Jahr 1980.
Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 vereinigte sich die Demokratische Republik im Oktober 1990 mit der Bundesrepublik. Nach einer Volksabstimmung wurde der Name Karl-Marx-Stadt zugunsten des alten Stadtnamens Chemnitz aufgegeben.
Als Sammler von Poststempelabzügen fiel mir auf, dass die Zahlen und Buchstaben auf den Briefmarken von Karl-Marx-Stadt zueinander passten. Wie auf dem oben abgebildeten Umschlag von 1968 zu sehen ist: Briefmarke Karl-Marx-Stadt 23 mit dem Vermerk „Einschreiben“ 9023. Der Buchstabe „G“ am unteren Rand des Poststempels hat keine Verbindung zum Vermerk „Einschreiben“.
Nun, ich habe eine weitere Briefmarke gefunden, ebenfalls aus dem Jahr 1968, mit der Zahl 1 im äußeren Ring des Poststempels, der Zahl 90 oben in der Mitte und dem Buchstaben B unten – mit einer Einschreiben-Briefmarke mit der Zahl 901 und einem Buchstaben b.
Dasselbe gilt für den oben genannten Poststempel/Einschreibenstempel mit dem Buchstaben c.
Doch dann passte es plötzlich nicht mehr. Eine Briefmarke von 1969 ohne Seriennummer, also ohne die Zahl 90 und die Buchstaben am unteren Rand. Der Einschreibeaufkleber war mit blauem Stift bearbeitet worden, die Buchstaben „dn“ waren durchgestrichen. Die Zahl 901 mit dem Namen der Behörde war jedoch noch vorhanden.
Dann noch ein Rätsel: der Poststempel Karl-Marx-Stadt mit der Seriennummer 1, ebenfalls aus dem Jahr 1969, mittig über der Zahl 90 und unterhalb des Buchstabens v. Aber der Einschreibenstempel? Nur die Zahl 901, kein Buchstabe danach.
Was ebenfalls nicht mehr passte, war die Briefmarke von 1969 mit dem Poststempel Karl-Marx-Stadt 1, der Zahl 90 mittig darüber und dem Buchstaben m unten. Und die Einschreiben-Briefmarke? Ein Einschreiben-Etikett mit dem Namen des Postamts und dem handschriftlichen Vermerk c1. Ein Notfallvermerk? Offenbar war die Nummerierung und Beschriftung der Briefmarken in Bezug auf die Einschreiben-Etiketten nicht einheitlich. Ich habe diese Fragen einem deutschen Philatelisten in Chemnitz gestellt, der bisher keine Antwort gefunden hat. Jedenfalls betrachte ich nun jeden Einschreibenbrief, der aus Karl-Marx-Stadt stammt und mir begegnet, mit großem Interesse.

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