Bericht im Telegraaf: Briefmarken im Bunker
Der Blogbeitrag, der meiner spontanen Reaktion folgte, brachte mich dazu, mich kurz damit zu beschäftigen. Die Briefmarke mit dem Bildnis Adolf Hitlers und dem Aufdruck „2 kg“ gehört zu einem Satz von vier sogenannten Feldmarken. Die erste Feldmarke war speziell für die Frankierung (ohne Wertangabe) von Luftpostbriefen und -postkarten vorgesehen, da der Postverkehr in und aus Gebieten, in denen deutsche Truppen von den Alliierten eingekesselt waren, eingeschränkt war. Dies betraf insbesondere Osteuropa, den Balkan und Skandinavien.
Die Briefmarke wurde am 20. April 1942 herausgegeben und war bis April 1943 erhältlich. Es gab sie in zwei Perforationsvarianten: perforiert und durchbohrt. Die Perforation war üblicherweise sehr schlecht. Soldaten erhielten vier Marken pro Monat, ab Mai 1943 acht. Daraufhin wurde beschlossen, dass Soldaten zwei Marken pro Brief aufkleben sollten. Das Motiv der Briefmarke ist ein Transportflugzeug vom Typ Junkers Ju 52.
Am 10. Juli 1942 wurde eine Feldpostmarke speziell für Feldpostpakete herausgegeben. Diese Marke zeigte den Reichsadler und war, wie die vorherige Marke, in zwei Perforationsvarianten erhältlich. Sendungen bis 250 Gramm waren portofrei. Für Pakete von 250 Gramm bis 1000 Gramm betrug das Porto 20 Pfennig. Zusätzlich musste eine braune Briefmarke angebracht werden. Ab dem 1. September 1942 wurde das Höchstgewicht für Pakete auf 2 Kilogramm erhöht. Das Porto für 1000 bis 2000 Gramm betrug 40 Pfennig, und es mussten zwei braune Briefmarken aufgeklebt werden. Ab dem 23. Juni 1944 war der Versand schwerer Pakete nicht mehr möglich, und das Gewicht wurde auf 10 Gramm begrenzt. Jeder Soldat erhielt vom 10. Juli 1942 bis zum 31. August 1942 monatlich eine braune Feldbriefmarke. Vom 1. September 1942 bis zum Herbst 1944 betrug der „Tarif“ von der Heimatfront an die Soldaten zwei Feldbriefmarken.
Am 24. November 1944 wurde die Briefmarke mit dem Aufdruck „2 kg“ herausgegeben. Diese Marke war für Pakete bis maximal 2 kg bestimmt. Sie war ausschließlich für Pakete mit Winterkleidung von der Heimatfront an die Soldaten vorgesehen. Die Marken wurden nicht an Sammler ausgegeben. Die Briefmarken, die heute Alben schmücken, kamen erst nach dem Krieg auf den Markt.
Am 20. Oktober 1944 wurde eine kleinere, grüne Feldmarke speziell für Weihnachtspakete herausgegeben. Diese Pakete durften nur von der Heimatfront an die Soldaten geschickt werden und maximal 2000 Gramm wiegen. Am 20. April 1945 erschienen dann die beiden letzten Marken. Es handelte sich dabei nicht um Feldmarken, sondern um reguläre Briefmarken zu 12 Pfennig mit einem Aufschlag von 38 Pfennig.
Die Briefmarken waren der SS und der SA gewidmet. SS stand für Schutzstaffel, die Schutzabteilung der deutschen Wehrmacht, ursprünglich Adolf Hitlers Leibgarde, gegründet 1925. Sie sollte zur brutalsten Einheit der Wehrmacht werden. Jeder fürchtete die Soldaten in ihren schwarzen Uniformen. Die SA wurde ebenfalls 1925 gegründet und hatte im Wesentlichen dieselbe Aufgabe wie die SS. Die Soldaten trugen braune Uniformen. Die Abkürzung steht für Sturmabteilung. Da sich der Krieg dem Ende zuneigte, wurden die Briefmarken nicht mehr in den Postämtern ausgegeben. Dennoch sind Briefe bekannt, auf denen die Briefmarken abgebildet sind. Nur wenige Postämter in Berlin hatten die Briefmarken erhalten, sodass einige Sammler sie kurz vor dem Waffenstillstand erwerben konnten.
Es existieren noch zwei Briefmarken, die zur Ausgabe vorbereitet, aber aufgrund des Kriegsendes nicht mehr produziert werden konnten. Nur wenige Exemplare davon sind in Sammlerhand gelangt. Die eine Marke zeigt das NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps), die andere das NSFK (Nationalsozialistisches Fliegerkorps der Hitlerjugend).
Das Bild auf der Briefmarke zeigt einen Segelflieger. Das Foto veranschaulicht, wie deutsche Jugendliche einen solchen Segelflieger bedienen konnten – ein ganz anderes Fluggerät als das auf der Briefmarke. Das Korps wurde im Januar 1932 gegründet. Es bestand aus drei Abteilungen: einer motorisierten Flugabteilung, einer Segelfliegerabteilung und einer Ballonabteilung. Der Fund in einem Bunker in Dänemark ist dennoch ein Zeugnis eines Stücks Geschichte mit vielen unschönen, aber auch philatelistischen Aspekten.
