500 Jahre Delfter Bibel als typografischer Stempel
Typografische Stempel sind beim breiten Publikum nicht besonders beliebt oder ansprechend. Doch nach Lektüre der Hintergrundinformationen stellt sich heraus, dass sich hinter einem solchen Stempel eine Fülle interessanter Informationen (mit den nötigen Widersprüchen) verbirgt, die nicht sofort ersichtlich sind. Dieses Wissen verleiht dem Stempel dennoch eine aussagekräftige Wirkung!
Delfter Bibelstempel
Im 15. Jahrhundert wurde Text von Hand mit beweglichen Bleilettern gesetzt, wie beispielsweise auf der Briefmarke mit den Buchstaben „d“ und „B“. Gegenüber den beiden gotischen Buchstaben (die „Delfter Bibel“ bedeuten) befindet sich, als Kontrast, ein schematisch gestaltetes, elektronisch typografisches „a“, das mit einem horizontalen Streifenmuster gefüllt ist. Betrachten Sie den maschinell erzeugten Text auf dem angrenzenden Tab als logische Weiterentwicklung des Buchstabens „a“.

[1] Auf der obersten Schicht dieses mehrschichtigen Briefmarkenbildes sind der Ländername mit Nennwert und der Text '1477 Delftse Bijbel 1977' aufgedruckt.
[2] Auf der zweiten Ebene befinden sich die gotischen Buchstaben 'd', 'B' (dreidimensional) und der elektronische Buchstabe 'a'.
[3] Auf der untersten Schicht befindet sich das gotische Textfragment aus Hiob 19,23 und 24 aus der Delfter Bibel.
Die Briefmarke legt besonderes Augenmerk nicht nur auf den typografischen Aspekt der Delfter Bibel mit den gotischen Bleibuchstaben „a“ und „b“ in Spiegelschrift, sondern auch auf die Typografie, indem sie ein Diagramm des elektronisch erzeugten „a“ des gedruckten Buches zeigt.
Delfter Bibel
Die Delfter Bibel war das erste gedruckte niederländischsprachige Buch in unserem Land. Sie ist eine Übersetzung des Alten Testaments ohne die Psalmen. Diese in Delft handgedruckte Bibel wurde 1477 von Jacob Jacobszoon van der Meer und Mauricius Yemantszoon van Middelborch zusammengestellt. Ihr gingen jedoch bereits gedruckte Werke in Latein voraus. Der Bibeltext lautet: „Wer kann gewähren, dass meine Worte geschrieben werden? Wer kann gewähren, dass sie in ein Buch mit Bleistift oder auf eine Bleiplatte geschrieben werden, oder dass sie mit einem Meißel in einen Stein gemeißelt werden?“ In zeitgenössischerem Niederländisch, aus dem Buch Hiob, Kapitel 19, Verse 23 und 24: „O dass meine Worte aufgeschrieben würden, o dass sie in ein Buch kämen, in Blei eingraviert mit einem eisernen Griffel, für immer in einen Felsen gemeißelt!“Typografischer Vergleich
Der gotische Text auf der Briefmarke stammt aus der Bibel. Da er isoliert vom übrigen biblischen Text präsentiert wird, verliert er seine religiöse Bedeutung. Der Typograf Gerrit Noordzij bettet den Text in einen breiteren, neutralen Kontext ein, sodass er inhaltlich keine religiöse Aussagekraft mehr besitzt. Dank dieser erweiterten Perspektive lassen sich der Bibeldruck und der Buchdruck typografisch problemlos vergleichen.
Erster Briefmarkenbogen mit Delfter Bibelmotiv
Die Herausgabe der Briefmarke mit einem Tab ist eine Premiere für unser Land. Erstmals werden so ausführliche Hintergrundinformationen auf einem Tab neben einer Briefmarke präsentiert. Der Text verleiht dem Buchstaben „a“ sogar eine erweiterte Bedeutung.
